Presseberichte
PRESSE-BERICHTE
05.Juli 2011: Holzwürmer sind im Haus der Stadt jetzt Geschichte
Im Haus der Stadtgeschichte war in den vergangenen Monaten nicht nur sprichwörtlich der Wurm drin. Der kleine Schädling hat sich in den hölzernen Exponaten ordentlich ausgetobt, doch jetzt geht es ihm an den Kragen. In einem mobilen Container wird dem Wurm ordentlich eingeheizt.
Es scheint, als wolle das Haus der Stadtgeschichte umziehen. Nach und nach tragen fleißige Helfer die alten Schätze aus dem Museum und hieven sie in ein großes Fahrzeug. Doch hierbei handel es sich keineswegs um einen Umzugswagen, sondern um eine isolierte Thermokammer. In dem mobilen Container wird Schädlingen, wie Holzwürmern, der Garaus gemacht.
Im Herbst soll im Haus der Stadtgeschichte die neue Ausstellung eröffnen. Hierfür muss das eine oder andere Ausstellungsstück aber nicht nur herausgeputzt, sondern erst einmal gründlich gereinigt werden: In der isolierten Kammer werden Schädlinge und Pilze einfach abgetötet.
Weil die Exponate jahrelang im Keller lagen, konnten sich die Schädlinge dort unbemerkt durch das Holz fressen. „Der Holzbock hinterlässt richtig große Löcher im Material. An einem Tag schafft er locker fünf Zentimeter“, sagt der Mess- und Regeltechniker Herbert Hubert.
Um den Wurm unschädlich zu machen, hat der Museumsleiter Robert Badermann eine Fachfirma beauftragt. Mithilfe eines schonenden Verfahrens und ohne Einsatz von Gift werden die Ausstellungsstücke gereinigt. „Hierfür räumen wir die Exponate in den mobilen Container und lassen die Temperatur ansteigen“, erklärt Hubert die Vorgehensweise.
04.Juli 2011: Holzwurmtod in der Thermokammer
Kamen, 04.07.2011, Ulrike Faulhaber

Muffig riecht es im Kellergewölbe unter dem Stadtmuseum, und feucht ist’s. Kein Ort, an dem man sich gerne aufhält. Nicht nur wegen des Geruchs, auch wegen der Enge. Die Mitarbeiter des Museums aber bezeichnen den Keller liebevoll als heilige Hallen. „Hier tauchen immer wieder Schätze auf, mit denen wir nicht rechnen“, erzählt Christian Rißmann, ehrenamtlicher Mitarbeiter. Zuletzt waren es sechs Meter lange Balken, die die Inschrift „Aufgerichtet am 11. Juli 1870“ tragen und vermutlich von einem Bauernhof stammen.
Ganze Häuser in Folie
Die Balken haben die Museumsmitarbeiter bereits in die Thermokammer des Aufliegers der Lippstadter Firma IRT geschafft. Ebenso sämtliche Holzschränke, alte Holzkarren, Werkzeuge mit Holzgriff, Stühle – einfach alles, was im Keller des Museums lagert und befallen sein könnte vom Holzbock oder Holzwurm. Denn der, und hier kommen wir zurück zum muffigen Museumskeller, mag’s am liebsten, wenn es feucht ist und die Pilze wachsen.
Hier kommt nun die Fachfirma ins Spiel. IRT steht für Innovative Restaurierungstechnik. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Bekämpfung von schädlichen Insekten im Denkmal- und Bautenschutz, und zwar nicht mit der chemischen Keule, sondern auf ökologisch unbedenklichem Wege. Ganze Häuser und Kirchen packt IRT in Spezialfolien ein, um sie mit Heißluft zu behandeln und dem Wurm den Garaus zu machen. Der bestehe, so Herbert, aus einem großen Teil aus Eiweiß, das durch die Hitze zersetzt werde.
Nach Kamen ist die Firma mit einem Lkw gekommen, dessen Auflieger aus einer isolierten Thermokammer besteht. In einem schonenden Verfahren werde das Holz aus dem Museum in der Kammer (Maße 7 x 2,80 x 2,40 Meter) behandelt, erzählt IRT-Techniker Hubert Herbert. Im Detail bedeutete das: Alles Holz aus dem Museum wird in den Auflieger geschafft und so aufgestapelt, dass es von allen Seiten Luft bekommt. Der Auflieger wird verriegelt, nun kann es losgehen. Über ein Bodenlüftungssystem wird die Temperatur in der Kammer von 20 auf 55 Grad hochgefahren. Fühler messen und regeln die Wärme, Kühlaggregate wiederum sorgen dafür, dass Luftfeuchte und Wärme stets konstant bleiben, damit das Holz nicht aufquillt oder reißt. „Normalerweise reicht eine einstündige Behandlung“, erklärt Herbert. Um auf Nummer sicher zu gehen, würde IRT das Holz aber zehn Stunden lang behandeln. Der gesamte Kammerlauf dauere drei bis vier Tage.
Danach sind die Museumsstücke wurmfrei und können zurückkehren, nicht in den Keller, sondern in die Ausstellungsräume, denn die werden derzeit neu bestückt.
22.September 2010: In den Geräten steckte der Wurm
EZ-Kurier vom 22.09.2010
Loruper Verein erfolgreich in der Schädlingsbekämpfung
Lorup (eb) - Der Verein Hümmling Feriendorf Lorup und die Arbeitsgruppe Oldtimer des Heimatrings Lorup haben in einer gemeinsamen Aktion über einen Zeitraum von 14 Tagen historische Kutschen sowie landwirtschaftliche und handwerkliche Arbeitsgeräte vom Holzwurmbefall befreit.
Das Vorhaben wurde von der Firma IRT (Innovative Restaurierungs Technik) aus Lippstadt unterstützt, die sich auf Denkmal- und Bautenschutz spezialisiert hat. Dabei kam eine isolierte Thermokammer zum Einsatz: Bei diesem Verfahren wird eine Temperatur von 52 bis 55 Grad Celsius genutzt, alle Schadinsekten in jedem Entwicklungsstadium abzutöten. Dieses Heißluftverfahren stellt eine besonders schonende und ökologisch unbedenkliche Alternative der Schädlingsbekämpfung dar.
Die Thermokammer mit einem Fassungsvermögen von rund 25 Kubikmeter wurde auf dem Bauhof der Gemeinde durch Mitglieder der Vereine im 2-Tages-Rhythmus bestückt - eine durchaus Schweiß treibende Arbeit, denn es wurden nicht nur Kutschen hineingefahren, sondern auch schweres Gerät. Dabei handelte es sich unter anderem um landwirtschaftliche Maschinen wie Korn- und Kartoffelweiher, Kornmühlen, Holzpflüge und Holzeggen, handbetriebene Häckselmaschinen und mehrere Ackerwagen, die sich auf dem Bauhof befinden und des weiteren um Hobelbänke, Bandsägen und eine Drechslereidrehbank, die zum Bestand der alten Drechslerei Grummel gehörten und nun in der Werkstatt bei Krulls Hus ausgestellt sind.
Durch die erfolgreiche Schädlingsbekämpfung ist es möglich geworden, diese historischen landwirtschaftlichen und handwerklichen Gerätschaften für die Zukunft zu erhalten.
Ein Teil der Geräte kann bereits jetzt in der Werkstatt bei Krulls Hus besichtigt werden. Für weitere langwirtschaftlichen Maschinen benötigen die Vereine eine Remise, die einen zentralen Platz bei Krulls Hus finden soll, um sie dort der Öffentlichkeit präsentieren zu können.
29.Mai 2010: Hitze schnürt dem Käfer die Luft ab
Erschienen in: Münsterland Zeitung
HITZE SCHNÜRT DEM KÄFER DIE LUFT AB
RHEINE Während Pfarrer Bernhard Lütkemöller in seinem zukünftigem Wohnzimmer saunieren könnte, ist das Klima dem gescheckten Nagekäfer weniger zuträglich. Es ist mit rund 60 Grad Lufttemperatur so heiß im denkmalgeschützten Haus am Markt 14, dass dem gefräßigen Käfer nicht nur der Appetit vergeht, sondern ihm vollständig die Luft wegbleibt.
Von Miriam Daschty
Korrekt nennt sich das Denaturierung der Eiweiße bei 52 bis 55 Grad Celsius. Einfach gesagt: Dem Schädling wird im Pfarrhaus der Stadtkirche der Garaus gemacht - ganz ohne Gift oder sonstige umweltschädigenden Mittel. In einer thermischen Maßnahme wird seit Mittwoch heiße Luft im alten Gebälk verteilt.
"Wir arbeiten mit einer modernen Mehrstufenbrenneranlage mit getrennter Rauchgasführung", erklärt Christoph Diers vom IRT-Denkmal- und Bautenschutz. Das sei so wichtig, weil bei diesem Verfahren keine Brandgefahr bestehe. Außerdem sei die Methode zu 100 Prozent wirksam: "Alle Entwicklungsstufen - Ei, Larve und Käfer - werden abgetötet", sagt Diers.
Ökologisches Verfahren
Pfarrer Lütkemöller ist froh über dieses ökologische Verfahren, lehnt toxische Schädlingsbekämpfung aufgrund des Gedankens der Schöpfungsbewahrung strikt ab.Bis Sonntagabend soll die Aktion beendet sein, wobei das Team Glück hatte: "Das Ordnungsamt hätte uns beinahe beide Heizaggregate stillgelegt", sagte Lütkemöller gestern.
Grund: Sie ragten etwa einen Meter in die nicht gemietete Fläche des Marktplatzes. Die Lösung: Dem Geflügelhändler wird am samstäglichen Markttag eine besondere Ehre zuteil - er darf seine Waren direkt vor der Stadtkirche verkaufen.
29.Mai 2010: Heiße Luft als Waffe gegen Larven
Erschienen in: Münsterländische Volkszeitung
HEISSE LUFT ALS WAFFE GEGEN LARVE
Pfarrhaus mit Schädlingen befallen
-mas- Rheine Heiße Luft - gemeinhin produziert man die nicht so gerne. In diesem Fall aber ist sie gewollt, um den Schädlingen im Gebälk des Gebäudes des künftigen Pfarrhauses am Markplatz den Garaus zu machen. Statt mit der Chemiekeule rücken Spezialisten einer Restaurierungsfirma aus Lippstadt den Larven des Hausbockkäfers mit Temperaturen ahnlich wie in einer Sauna zu Leibe.
Der Schädlingsbefall ist bei den Restaurierungsarbeiten am ehemaligen Pfarrheim, dem Haus Markt 14, festgestellt worden. Seit Mittwoch pumpen nun zwei 500 Kilowatt-Aggregate jeweils 18000 Kubikmeter heiße Luft pro Stunde in die Räume. Das Gehölz erreicht damit eine Kerntemperatur von rund 55 Grad Celsius. Das reicht offenbar aus, den Larven die Lebensgeister auszupusten.
Wie lange die mit Heizöl betriebenen Aggregate auf dem Marktplatz weiter brummen, ist noch nicht entschieden. Ein Gutachter will heute klären, ob die Maschinen am Sonntag abgestellt werden können.
23.Januar 2010: Schädlinge schonend schachmatt gesetzt
Erschienen in: Nordwest-Zeitung
SCHÄDLINGE SCHONEND SCHACHMATT GESETZT
Sanierung Spezialfirma macht dem Nagekäfer in der Wassermühle mit 70 Grad heißer Luft den Garaus
Sensoren messen die Temperaturen im Holzkern. Sonntag ist die Schädlingsbekämpfung abgeschlossen.
VON STEPHAN ONNEN
HUDE - Draußen vor der Wassermühle im Huder Klosterbezirk zeigt das Thermometer minus fünf Grad an, drinnen herrschen jedoch Temperaturen wie in der Sauna: Mit einem HeU^uftverfahren macht die Firma IRT Innovative Restaurierungstechnik aus Lippstadt (Westfalen) dem Nagekäfer, der sich im etwa 165 Jahre alten Eichenholz des Baudenkmals eingenistet hat, den Garaus.
Langsame Erwärmung
Der Name der Firma ist Programm. „Wir sind keine Kammerjäger", betont Geschäftsführer Christoph Diers, „wir betreiben moderne Mess- und Regeltechnik." Und, ganz wichtig: Gift wird bei der Beseitigung der tierischen Schädlinge nicht verwendet. Stattdessen kommt heiße Luft zum Einsatz. Heißluftmaschinen, die über eine Luftleistung von 18 000 Kubikmetern pro Stunde verfügen, führen über Schläuche Wärme ins hermetisch abgeriegelte Gebäude. Um möglichst schonend vorzugehen, produziert die Anlage in Hude indes nur 4000 bis 5000 Kubikmeter an heißer Luft. „Die Erwärmung erfolgt ganz langsam und vorsichtig", erklärt Diers.
Seit Mittwoch ist die Anlage aufgebaut. Sensoren messen während der Behandlung die Temperaturen im Kern der Balken, um zu gewährleisten, dass überall im Holzinneren 55 Grad erreicht werden. „Diese Gradzahl ist ausreichend, um die Schädlinge in jedem Entwicklungsstadium abzutöten, also als Ei, Larve und Käfer", weiß Diers, der diese Technik seit 20 Jahren in der Denkmalpflege erfolgreich einsetzt und weiterentwickelt hat.
Während sich der Holzkern auf 55 Grad erwärmt, steigt die Lufttemperatur in der Wassermühle auf 70 Grad. „Die Elektroleitungen können das vertragen", versichert der IRT-Chef.
Keine Brandgefahr
Ein Mitarbeiter ist ständig vor Ort, um die Abläufe zu überwachen. Die Anlage verfüge über eine getrennte Rauchgasführung, wodurch Brandgefahr ausgeschlossen sei, betont Diers. Schon an diesem Sonntag sollen die Arbeiten beendet sein. „Wir betrachten die Wassermühle in dieser Region als Referenzobjekt für umweltschonende Verfahrenstechnik", so der Lippstädter, „daher haben wir unsere Leistungen hier für relativ kleines Geld angeboten."
Zimmererarbeiten folgen
Die Sanierungsarbeiten werden vom Bookholzberger Architekten Manfred Beier (Büro Angelis & Partner) koordiniert. Im Laufe der nächsten Woche sollen die Zimmererarbeiten fortgesetzt werden. Marode Stützen müssen ergänzt, morsche Balken am Fachwerk ausgetauscht werden. Auch Maurerarbeiten und eine Modernisierung der Heizungsanlage sind vorgesehen. Insgesamt stehen 50 000 Euro zur Verfügung, die Eigentümerin Margaretha von Witzleben (15 000 Euro), der Landkreis Oldenburg (10 000 Euro), die Gemeinde Hude und die Denkmalpflege des Landes Niedersachsen (jeweils 5000 Euro) gemeinsam aufbringen. 15 000 Euro fließen aus dem EU-Programm „Leader". Spielt das Wetter mit, soll die Sanierung in vier Wochen abgeschlossen sein.
Margaretha von Witzleben ist weiter auf der Suche nach einem neuen Pächter - Interessierte können sich bei ihr unter 04408/1804 melden.
26.September 2009: Viel heiße Luft in der Martinuskirche
Erschienen in: Grevener Anzeiger
VIEL HEISSE LUFT IN DER MARTINUSKIRCHE
178 500 Euro: Der teure Kampf gegen einen gefräßigen Nagekäfer
Von Peter Beckmann
Greven. Es ist ein possierliches Tierchen, der „Gescheckte Nagekäfer". Er ist nur wenige Millimeter groß und sehr gesellig. Er liebt es feucht, aber hat es nicht gerne zu warm. Und er hat großen Appetit. Dabei ist der kleine Kerl auch noch ein Leckermäulchen. Denn er frisst längst nicht alles. Und er ist trickreich. Denn wenn er seine Herzallerliebste anlocken will, klopft er mit dem zierlichen Köpfchen auf Holz - mit einer höllischen Geschwindigkeit von bis zu acht Mal pro Sekunde. Welches Weibchen ist da nicht beeindruckt? Doch so herzallerliebst der Nager auch ist, so gefürchtet ist er auch. Vor allem bei Menschen, die ein Haus oder ein anderes Gebäude mit einem Dach ihr Eigen nennen. Denn der größte unter den einheimischen Nagekäfern hat sich auf Holz aus Dachstühlen spezialisiert.

Wie gesagt: Der gescheckte Nagekäfer ist ein Leckerschmecker und hat sich deshalb den Dachstuhl der altehrwürdigen Martinuskirche als Vor-, Haupt- und Nachspeise ausgesucht. Sehr zum Ärger der Gemeinde. Denn die muss dafür, dass dem Nagekäfer der Garaus gemacht wird, tief in die Tasche greifen. 85 000 Euro schlagen zu Buche, Und die Holzsanierung im Vorfeld hat auch schon 93 000 Euro gekostet. Von den insgesamt 178 500 Euro muss die Marti-nus-Gemeinde 108 500 Euro selbst aufbringen. „Das bezahlt die Gemeinde aus den Rücklagen", weiß Michael Hüttemann von der Zentralrendantur.
Der Nagekäfer richtet zwar großen Schaden im Holz an, ursächlich für die Schäden ist er aber nicht. Denn er gilt als Pilzfolger und ist somit ein relativ verlässlicher Anzeiger für einen vorangegangenen, meist noch schwerwiegenderen Pilzschaden. Er wird auch als Faulholzinsekt bezeichnet, da er sich auf dieses feuchte Holz (über 16 Prozent Feuchtigkeit) spezialisiert hat. Ursache ist in allen Fällen ein unerkannter Feuchteschaden, der zum Beispiel durch Wassereintrag in der Bausubstanz zum Gedeihen des Pilzes führt. Vom Geruch dieses pflanzlichen Holzzerstörers wird nun der Nagekäfer angelockt, für den das angegriffene Holz besser verdaulich ist.
Und genau das macht sich Christoph Diers von der Firma „IRT" aus Lippstadt zunutze. Denn er sorgt mit zwei dicken Generatoren dafür, dass es dem Käfer im Gebälk so richtig ungemütlich wird. Das ist der Fall, wenn die Feuchtigkeit im Holz auf unter 16 Prozent zurück geht. Die im Holz fressenden Larven sterben bei zu geringer Holzfeuchte ab. Selbst wenn sie noch die Verpuppung und den Ausflug vollziehen, werden sie keine neuen Eier ablegen, wenn ihnen pilzbefallenes Holz nicht mehr zur Verfügung steht.
Und das wird mit Hilfe von Wärme erreicht. Die zwei Generatoren, die am Südportal aufgebaut sind, pumpen pro Stunde etwa 30 000 Kubikmeter 85 Grad warme Luft durch zwei Schläuche auf den Dachboden der Kirche, so dass dort eine Temperatur von 55 Grad erreicht wird. Mit Fühlern wird die Temperatur gemessen. „Am schwierigsten ist es natürlich, diese Temperatur auch im unteren Bereich des Dachbodens zu erreichen", erklärt Diers die Schwierigkeit der „thermischen Heißluftbehandlung".
Im Vorfeld hatte die Zimmerei Meyer aus Greven das verfaulte Holz durch frisches ersetzt. Und nun wird der Dachstuhl der Kirche etwa drei Wochen lang mit heißer Luft gefüllt. Ob sich die ganze Aktion auch gelohnt hat, ist einfach zu beweisen. Denn im Vorfeld hat ein Gutachter an bestimmten Stellen Larven des gescheckten Nagekäfers ausgesetzt. Haben die das Zeitliche gesegnet, ist alles gut. „Unsere Erfolgsquote liegt Dei 100 Prozent", sagt Diers stolz und weißt darauf hin, dass in den 20 Jahren seiner Tätigkeit noch keine Baustelle neu befallen wurde.
Für die Gottesdienstbesucher haben die Arbeiten keine Auswirkungen. Die Kirche wird sich nicht zur Sauna entwickeln. „Da ist alles gut isoliert, im Kirchenraum merkt man nichts von der Maßnahme", versichert Hüttemann.
Nur der gescheckte Nagekäfer, der kleine Kerl, wird die nächsten drei Wochen wohl nicht überleben - so hoffen die Experten. Und so richtig traurig ist darüber wohl kaum jemand...
Fotos: Peter Beckmann
26.September 2009: Heißluft für den Dachstuhl
Erschienen in: Grevener Zeitung
EISSLUFT FÜR DEN DACHSTUHL
Holzkonstruktion der Martinuskirche ist vom gescheckten Nagekäfer befallen
GREVEN Dem ein oder anderen Grevener ist es auf dem Weg durch die Innenstadt sicher schon aufgefallen: An der Martinuskirche ist seit diesem Montag eine etwas sonderbare Konstruktion aus langen Rohren angebracht.
Der Grund: Beinah der gesamte Dachstuhl der Kirche ist von einem Schädling befallen, dem so genannten gescheckten Nagekäfer. So komisch der Name klingt, so gefährlich kann das Tier werden. „Wenn man da nichts macht, wird das Dach über kurz oder lang instabil", erklärt Michael Hüttermann, Mitarbeiter der Zentralrendantur der Kirche.
Daher musste schnell gehandelt werden. Nachdem ein Gutachter im vergangenen Herbst den Befall festgestellt hatte, wurde zuerst das betroffene Holz ausgetauscht. Im nächsten Schritt wird nun die gesamte Käfer-Population „in jedem Entwicklungsstadium" abgetötet, wie Christoph Diers, Inhaber der gleichnamigen Firma für technische Denkmalpflege, erläutert. Hierfür wurde ein zwar etwas kostspieligeres, dafür aber ökologisch einwandfreies Verfahren gewählt.
Durch insgesamt 120 Meter Rohr wird heiße Luft in den Dachstuhl gepumpt. Die Kerntemperatur von 55 Grad überlebt der Schädling nicht und kann so ganz ohne Gift abgetötet werden. Gleichzeitig ist die Methode schonend für das Holz, es besteht keine Brandgefahr. „Wegen der getrennten Rauchgasleitung können keine Rußpartikel nach oben gelangen", so Diers weiter. Für die Kirchengemeinde gibt es auch keine Einschränkungen: Die Arbeiten gehen beinah geräuschlos vonstatten, man hört höchstens „ein Rauschen wie vom Meer", weiß der technische Denkmalschützer. Und schwitzen muss trotz der mit 55 Grad ziemlich hohen Temperatur auch niemand, denn heiße Luft steigt ja bekanntlich nach oben.
Die Kosten für die Maßnahmen inklusive der bereits abgeschlossenen Zimmerarbeiten belaufen sich insgesamt auf 178500 Euro, 70000 davon übernimmt das Bistum Münster. Die Investition lohnt sich: „In 20 Jahren Firmengeschichte hatten wir keinen einzigen Wiederbefall", zeigt sich Diers überzeugt von der angewendeten Heißluft-Methode.
Zwei Wochen werden die Arbeiten noch andauern. So lang muss jede Nacht ein Mitarbeiter der Firma im mitgebrachten Wohnmobil neben der Kirche übernachten, weil die Heißluft-Zufuhr auch nachts weiterläuft. „Vielleicht kommt ja mal ein Grevener mit einem Grill und einem Schnitzel vorbei", hofft Diers. Wer weiß ...
Eva Tanski
07.Februar 2009: Belastete Kulturgüter
Erschienen in: Der Patriot
BELASTETE KULTURGÜTER
In zahlreichen Museen lagern mit diversen Giftstoffen verseuchte Ausstellungsstücke
Von Andrea Barthélémy
Weißer Schutzanzug mit Kapuze, grüne Gummihandschuhe und Atemmaske: Wenn die Restauratoren im Ethnologischen Museum in Berlin-Dahlem ein historisches Objekt aus Rentier-Fell aus ihrem Depot untersuchen wollen, sind sie ausstaffiert wie nach einem Giftgasunglück. Ganz so ist es nicht, aber Tatsache ist: Zwei Drittel der Sammlung, also rund 330000 Stücke, gelten als verseucht, weil in der Vergangenheit aus Unwissenheit allzu freigebig Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt wurden. Was zum Erhalt der wertvollen Kulturgüter gedacht war, gerät nun zur Gefahr für den Menschen. Und nicht nur in Berlin ringen Museen um Ideen und die passenden Methoden, um diese Gifte loszuwerden.
"Das Problem betrifft viele Museen auf der ganzen Welt", berichtet Richard Haas, stellvertretender Direktor der riesigen ethnologischen Sammlungen in Dahlem. Das Publikum, so betont er, sei durch die Gifte nicht in Gefahr, denn fast alle Exponate in der Ausstellung stehen in Vitrinen und die Verweildauer der Besucher vor den einzelnen Stücken ist zudem viel zu kurz. Aber alle, die mit den Fellen, Textilien, Lederteilen oder Objekten mit Federschmuck intensiven Umgang haben, müssen die Schutzkleidung tragen - per Dienstanweisung verordnet.
Akute Probleme der Mitarbeiter wie Ausschläge oder Atembeschwerden haben in Berlin zu umfangreichen Messungen geführt. Chronische Spätfolgen oder sogar Krebs nach Jahren oder Jahrzehnten eindeutig auf die Giftstoff-Belastung am Arbeitsplatz zurückzuführen, ist allerdings sehr schwierig.
Sogenannte chlororganische Biozide wie Lindan, DDT, PCP, noch früher sogar Schwermetalle wie Quecksilber und Arsen wurden vergangenen Jahrhundert vorbeugend eingesetzt, um die wertvollen Kulturgüter vor Insektenbefall, aber auch Schimmel zu schützen. Vor allem im Zweiten Weltkrieg, als vielerorts Sammlungen in feuchten Kellern oder anderen unklimatisierten Räumen ausgelagert werden mussten, war man nicht zimperlich im vorbeugenden Umgang mit den Giften, um deren mögliche Risiken für den Menschen man nicht wusste. Erst nach dem Skandal um das Holzschutzmittel Xylamon in den 80er Jahren wuchs die Sensibilität.
In den Sammlungen des Ethnologischen Museums war die Belastung so hoch, dass es zu einer Sekundärkontamination kam. Das heißt: die Gifte aus den Einzelstücken traten aus und lagerten sich via Staub in den gesamten Depots ab - auf anderen unbehandelten Objekten, in Regalen und Schränken, an Lampen, im Putz. „Seit Jahren läuft hier eine aufwändige Entfernung von Altstäuben durch ein Spezial-unternehmen. Und wenn wir damit hinten fertig sind, könnten wir eigentlich vorn wieder anfangen", sagt Haas. Lieber heute als morgen würden die Dahlemer deshalb das Übel an der Wurzel packen und nicht die Regale, sondern die Kulturgüter selbst entgiften.
Auch in vielen anderen Häusern kämpft man mit diesen Problemen. So hat das Adelhausener Museum für Natur- und Völkerkunde in Freiburg seine Sammlung komplett geschlossen und auch Teile der Ausstellung. An den Völkerkundemuseen in Hamburg und Leipzig befasst man sich mit dem Thema. Und am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg hat der Leiter des Instituts für Konservierung, Arnulf von Ulmann, fast alle Figuren mit historischen Kostümen weggeschlossen - deren Textilien haben die Gifte teils sichtbar verfärbt. Etwa 18000 Exponate sind dort insgesamt betroffen.
Im vollen Ausmaß weiß die Fachwelt seit rund einem Jahr um das Problem. Damals lud das renommierte Rathgen.Labor in Berlin, das für alle Einrichtungen der Staatlichen Museen tätig ist, zu einem internationalen Symposium zu Pestizid belasteter Kunst. Sein neuer Leiter, Stefan Simon, sieht das Problem von verschiedenen Seiten und als eines unter vielen anderen.
"Jedes belastete Exponat müsste jeweils genau geprüft werden. Und umgekehrt ist es eine Tatsache, dass uns der Einsatz dieser Mittel unglaublich viel Kunst erhält. Simon rührt damit an einem Punkt, der viele Museumschefs nachdenklich macht - denn die Einführung strikte Grenzwerte, die es bislang; für viele Biozide gar nich gibt, würde dazu führen dass Exponate dauerhaft in versiegelten Depots verschwänden, Ausstellungen in ihrem Bestand bedroht würden. Deshalb hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine Forschungsallianz mit de Leibniz-Gemeinschaft und der Fraunhofer-Gesellschaf gegründet, um unter anderem dieses Thema gemeinsam anzugehen.
In Nürnberg wie in Dahlen setzen die Konseryierungsfachleute ihre Hoffnung auf ein Verfahren, das den Ausweg aus dieser Zwickmühle bringen könnte: Die Behänd lung unter hohem Druck mi Kohlendioxid. Aber eine Pilotanlage für die erfolgversprechendste Methode würde 7,5 Millionen Euro kosten.
„Wir haben händeringend Geldgeber gesucht, aber vergeblich", berichtet Professor Achim Unger, der vor seine Pensionierung am Rathgen Labor diese Forschungen initiierte. Jetzt wollen die Wissenschaftler eine kostengünstigere, wenn auch nicht ganz so wirksame Alternative weiterentwickeln. Viele Museen weltweit, so auch in Dahlen und Nürnberg, hoffen darauf „Im Augenblick hat Deutschland in der Forschung die Nase vorn. Es wäre unglaublich schade, wenn diese Idee nun von jemand anderem umgesetzt würde", unterstreicht der Nürnberger Experte von Ulmann.
www.smb.museum/em/
www.gnm.de
19.Januar 2009: Giftige Schätze: In vielen Museen lagert belastete Kunst
Erschienen in: Hamburger Abendblatt
GIFTIGE SCHÄTZE: IN VIELEN MUSEEN LAGERT BELASTETE KUNST
Weißer Schutzanzug mit Kapuze, grüne Gummihandschuhe und Atemmaske: Wenn die Restauratoren im Ethnologischen Museum in Berlin-Dahlem ein historisches Objekt aus Rentier-Fell aus ihrem Depot untersuchen wollen, sind sie ausstaffiert wie nach einem Giftgasunglück.
Ganz so ist es nicht, aber Tatsache ist: Zwei Drittel der Sammlung, also rund 330000 Stücke, gelten als verseucht, weil in der Vergangenheit aus Unwissenheit allzu freigiebig Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt wurden. Was zum Erhalt der wertvollen Kulturgüter gedacht war, gerät nun zur Gefahr für den Menschen. Und nicht nur in Berlin ringen Museen um Ideen und die passenden Methoden, um diese Gifte loszuwerden.
"Das Problem betrifft viele Museen auf der ganzen Welt", berichtet Richard Haas, stellvertretender Direktor der riesigen ethnologischen Sammlungen in Dahlem. Das Publikum, so betont er, sei durch die Gifte nicht in Gefahr, denn fast alle Exponate in der Ausstellung stehen in Vitrinen und die Verweildauer der Besucher vor den einzelnen Stücken ist zudem viel zu kurz. Aber alle, die mit den Fellen, Textilien, Lederteilen oder Objekten mit Federschmuck intensiven Umgang haben, müssen die Schutzkleidung tragen per Dienstanweisung verordnet.
Akute Probleme der Mitarbeiter wie Ausschläge oder Atembeschwerden haben in Berlin zu umfangreichen Messungen geführt. Chronische Spätfolgen oder sogar Krebs nach Jahren oder Jahrzehnten eindeutig auf die Giftstoff-Belastung am Arbeitsplatz zurückzuführen ist allerdings sehr schwierig.
Sogenannte chlororganische Biozide wie Lindan, DDT, PCP, noch
In den Sammlungen des Ethnologischen Museums war die Belastung so hoch, dass es zu einer Sekundärkontamination kam. Das heißt: die Gifte aus den Einzelstücken traten aus und lagerten sich via Staub in den gesamten Depots ab auf anderen unbehandelten Objekten, in Regalen und Schränken, an Lampen, im Putz. "Seit Jahren läuft hier eine aufwendige Entfernung von Altstäuben durch ein Spezialunternehmen. Und wenn wir damit hinten fertig sind, könnten wir eigentlich vorn wieder anfangen", sagt Haas. Lieber heute als morgen würden die Dahlemer deshalb das Übel an der Wurzel packen und nicht die Regale, sondern die Kulturgüter selbst entgiften. Auch in vielen anderen Häusern kämpft man mit diesen Problemen. So hat das Adelhausener Museum für Natur- und Völkerkunde in Freiburg seine Sammlung komplett geschlossen und auch Teile der Ausstellung. An den Völkerkundemuseen in Hamburg und Leipzig befasst man sich mit dem Thema. Und am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg hat der Leiter des Instituts für Konservierung, Arnulf von Ulmann, fast alle Figurinen mit historischen Kostümen weggeschlossen deren Textilien haben die Gifte teils sichtbar verfärbt. Etwa 18000 Exponate sind dort insgesamt betroffen.
Im vollen Ausmaß weiß die Fachwelt seit rund einem Jahr um das Problem. Damals lud das renommierte Rathgen-Labor in Berlin, das für alle Einrichtungen der Staatlichen Museen tätig ist, zu einem internationalen Symposium zu Pestizid-belasteter Kunst. Sein neuer Leiter, Stefan Simon, sieht das Problem von verschiedenen Seiten und als eines unter vielen anderen.
"Jedes belastete Exponat müsste jeweils genau geprüft werden. Und umgekehrt ist es eine Tatsache, dass uns der Einsatz dieser Mittel unglaublich viel Kunst erhalten." Simon rührt damit an einen Punkt, der viele Museumschefs nachdenklich macht denn die Einführung strikter Grenzwerte, die es bislang für viele Biozide gar nicht gibt, würde dazu führen, dass Exponate dauerhaft in versiegelten Depots verschwänden, Ausstellungen in ihrem Bestand bedroht würden. Deshalb hat die Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine Forschungsallianz mit der Leibniz-Gemeinschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft gegründet, um unter anderem dieses Thema gemeinsam anzugehen.
In Nürnberg wie in Dahlem setzen die Konservierungsfachleute ihre Hoffnung auf ein Verfahren, das den Ausweg aus dieser Zwickmühle bringen könnte: Die Behandlung unter hohem Druck mit Kohlendioxid. Aber eine Pilotanlage für die erfolgversprechendste Methode würde 7,5 Millionen Euro kosten. "Wir haben händeringend Geldgeber gesucht, aber vergeblich", berichtet Prof. Achim Unger, der vor seiner Pensionierung am Rathgen-Labor diese Forschungen initiierte. Jetzt wollen die Wissenschaftler eine kostengünstigere, wenn auch nicht ganz so wirksame Alternative weiterentwickeln. Viele Museen weltweit, so auch in Dahlem und Nürnberg, hoffen darauf. "Im Augenblick hat Deutschland in der Forschung die Nase vorn. Es wäre unglaublich schade, wenn diese Idee nun von jemand anderem umgesetzt würde", sagt der Nürnberger Experte von Ulmann. (Internet: Ethnologisches Museum Germanisches Nationalmuseum
dpa
08.März 2008: Feinden von Haus Letmathe wird eingeheizt
Erschienen in: Westfälische Rundschau
FEINDEN VON HAUS LETMATHE WIRD EINGEHEIZT
Stadt bekämpft „Gescheckten Nagekäfer"
Letmathe, (rau) Haus Letmathe hat nicht nur Förderer, sondern auch heimtückische Feinde. Seit Generationen arbeiten sie subversiv am der ir.ncrtu Zcr Störung des Baudenkmais. Doch jetzt hat die Stadt dem „Geheimbund Gescheckter Nagekäfer" den Kampf angesagt.

Das Insekt und seine Larven haben über die Jahrzehnte einen Großteil der Balken und Bohlen des historischen Gebäudes angefressen. Zum Teil sogar pulverisiert, wie die Untersuchung durch Experten ergab. Architektin Gabriele Schumacher verdeutlicht das Ausmaß der Zerstörung, indem sie mit dem Finger Holzmehl aus einem Balken kratzt. Bei der Sanierung des Bücherei- und Museums- Domizils mussten bereits als zusätzliche Stützen neue Eichenbalken und Mauern eingezogen werden. Nur in zwei Räumen bleiben die alten Dielen erhalten, die anderen Räume bekommen neue Fußböden.
Der am schlimmsten zerfressene Stützbalken soll später im sanierten Museum ausgestellt werden. Als eine Art Mahnmai für das schändliche Werk der fresswüligen Käfer, denen es jetzt an den Kragen geht. „Wir machen ihnen den Garaus", verkündet Gabriele Schumacher. Und zwar mit heißer Luft. Die kann tödlich sein. Für den Nagekäfer sogar garantiert. „Wir müssen nur Balken und Bohlen auf 55 Grad erwärmen", sagt die Architektin. Das übernimmt die Firma IRT aus Lippstadt. Sie wird in den nächsten drei Wochen große Röhren ins Haus legen und - Raum für Raum -den Schädlingen einheizen. Auch einige Museumsschrän-ke werden vorsorglich „nagekäferschutzerhitzt".
Jetzt rettet die Feinde von Haus Letmathe nichts mehr. Es sei denn sie stehen auf der Roten Liste. Ansonsten kann man ihnen nur raten: Zieht euch warm an! Dann gehts schneller.
15.Mai 2007: 70 Grad Celsius im Inneren
Erschienen in: Böhme-Zeitung
70 GRAD CELSIUS IM INNEREN
Holzwurm-Einsatz in St.-Antonius-Kirche vor Ende
at Bispingen. Die Tür geht auf und den unbedarften Besucher trifft ein Schlag, besser gesagt ein Hitzeschlag. Ähnlich wie in einer Großraumsauna - nur bedeutend größer - ist es derzeit in der St.-Antonius-Kirche in Bispingen. Um die Wärme in das Gebäude zu blasen, durchziehen wie riesige Schlangen großvolumige Schläuche das Kircheninnere. Rund 70 Grad Celsius werden im unteren Bereich so erreicht, auf Höhe der Emporen seien es noch einmal zehn Grad mehr, erklärt Hans Schülke von der Firma IRT Innovative Restaurierungstechnik. Legt man die Hände auf die kirchenbänke oder sogar an die Außenwand, wird deutlich, wie tief die Wärme eingedrungen ist. I Und das ist wichtig. Denn wirklich alle Holzwürmersollen mit dem Einsatz vernichtet werden (BZ vom 11. Mai). Dazu sind eigentlich nur rund 55 Grad Celsius notwendig. Aber um in alle Holztiefen vorzustoßen, muss die Luft eben noch stärker erhitzt werden - und das über eine längere Zeit. Ob der Einsatz Erfolg hat, wird penibel per Fühler gemessen und per Computer notiert. Kontrolliert wird ebenso, ob die „Verpackung" der Orgel der Hitze wiedersteht. Wie IRT-Mitarbeiter Hubert Herbert erläuterte, sind hinter der doppelschichtigen Dämmung aber höchstens acht Grad mehr als im Freien.
Allerdings soll nur noch heute das Gebäude per Heißluft geheizt werden. Schon am Abend soll das Innere per kühler Luft langsam wieder auf Normaltemperatur gebracht werden, damit sich kein Holz verzieht und keine sonstigen Schäden entstehen. Die Kirchengemeinde plant im Anschluss der Holzwurm-Aktion, die Kirchenbänke zu sanieren. Dazu werden sie abgeschliffen und neu gestrichen. Bis diese Arbeiten fertig sind, bleibt die Orgel eingepackt. Denn nichts sei schädlicher für das Instrument als der Holzstaub, erklärte kürzlich Orgelrevisor Reinhard Gräler von der Landeskirche.
11.Mai 2007: Ein Saunagang für Holzwürmer
Erschienen in: Böhme-Zeitung
Mit 75 Grad heißer Luft wird Schädling in St. Antonius bekämpft
Bispingen. Im Jahr 1520 mussten die Holzwürmer, die den Bischofsthron der Kirche Saint Michel in Besancon mit ihrem "destruktiven Verhalten" zum Einsturz gebracht haben, sich noch keinem Gerichtsverfahren stellen. So steht es jedenfalls in dem Buch "Eine Geschichte der Welt in zehneinhalb Kapiteln" von Julian Barnes. Im Hier und Jetzt wird nicht lange verhandelt, sondern schnellstens kurzer Prozess gemacht, um Schlimmeres zu verhindern.
Denn wie rasant sich der Anbobium punctatum, also der gemeine Holzwurm, vermehrt, das hat Pastor Ottomar Fricke beobachten können. Noch vor Kurzem wurde in der St.-Antonius-Kirche in Bispingen dem Holzschädling temporär zu Leibe gerückt. Doch inzwischen reicht das nicht mehr. Wo im Februar noch alles in Ordnung war, sind jetzt die typischen Bohrlöcher zu sehen, ist der Holzwurm heimisch, zerstört das 99 Jahre alte Bauwerk von innen. Dabei bevorzugt der Käfer das weiche Tannen- und Kiefernholz, mag nur den äußeren Teil, das sogenannte Splintholz, der Eiche. Der Holzschutzgutachter Jochen Wiesner aus Lastrup reagierte schnell. Inzwischen ist die Firma IRT Innovative Restaurierungs Technik aus Lippstadt (Westfalen) vor Ort, hat ihr Equipment vor der Kirche postiert und im Inneren mit ihrer Arbeit begonnen.
Auf 20 Jahre schätzt IRT-Chef Christoph Diers das Alter der Holzwurm-Population in der St.-Antonius-Kirche. Obwohl er, wie er selber sagt, kein Kammerjäger ist, sondern ein Unternehmen für moderne Mess- und Regelungstechnik betreibt, kann er das dennoch einschätzen: Auf rund 250 Referenzobjekte seiner Spezialfirma, die Schadinsekten ohne den Einsatz von Giften vertreibt, verweist er. Dazu gehören z.B. das Frelichtmuseum Kiekeberg.
Zielgerichtet schwenkt Diers bei einem Rundgang mit zwei Mitarbeitern der Landeskirche in typischer Detektivart das Licht der Taschenlampe: "Eigentlich sitzt der Holzwurm überall", sagt er und zeigt Alexander Reuter vom Amt für Bau- und Kunstpflege Verden, und Orgelrevisor Reinhard Gräler die Hinterlassenschaften der Schädlinge an Handläufen im Treppenhaus zu den Emporen, im Gestühl, an den Ständern und den Arkadenbögen. Verschont blieben die Kanzel und der Altar. Weniger der Gesundheit wegen, sondern um die Schädlinge ein für allemal zu beseitigen, gibt es ab heute Mittag in der Kirche praktisch einen langen Saunagang: Gut 75 Grad Celsius sollen im Inneren erreicht werden. Und bei dieser Hitze- eigentlich schon bei 55 Grad - haben die Holzwürmer keine Chance: "Sie haben nicht den Organismus wie wir, sie können die Hitze nicht durch Schwitzen ausgleichen", erklärt Diers. Er ist sich sicher, dass das Problem damit zumindest für lange Zeit zu lösen ist.
Eine Menge Vorarbeit ist aber nötig. Bereits seit Mittwoch sind die vier Mitarbeiter von IRT dabei, die Orgel einzukleiden, sie vor der Hitze zu schützen. Denn nichts ist so teuer wie einen Schaden durch Überhitzung zu beseitigen, sagt Orgelrevisor Gräler. Zweischalig wird sie deshalb in extra dicke Folie eingepackt, die Bahnen mit einem Elektroschweißer verbunden. Ziel ist es, dass das Instrument mit nur einer maximalen Temperatur von 30 Grad Celsius belastet wird, sich das Material nicht verzieht. Ebenso wird der Eingang und der Altarraum, der nur aus Stein besteht, verkleidet. Schließlich soll nur das erhitzt werden, was wirklich nötig ist. Insgesamt 30.000 Kubikmeter Heißluft können pro Stunde eingeblasen werden. Auch wird die Feuchtigkeit kontrolliert, damit keine Risse oder Verwerfungen entstehen. Zwei bis drei Tage hat Diers eingeplant, bis in allen Ecken und Winkeln des Kirchengebäudes die nötige Temperatur erreicht ist. Um das zu kontrollieren, wurden Lücher für Messfühler in das Holz gebohrt. "Wir warten, bis das Objekt sagt, dass die Temperatur erreicht ist. Allerdings muss bis zum 18. Mai alles fertig sein, denn dann steht in St. Antonius eine Hochzeit an. Insgesamt kostet der Einsatz rund 33.000 Euro. Und in Zusammenhang mit einer großen Sanierung des Gebäudes, die für 2008 geplant ist, wird wohl die Landeskirche einen Großteil finanzieren. Rund 200.000 Euro wird das laut Reuter insgesamt kosten, 50.000 Euro muss davon der Kirchenkreis bezahlen.
Quelle: Böhme-Zeitung, Nr. 109, 11. Mai 2007
17.Januar 2007: Ein Prunkstück kehrt zurück
Erschienen in: Westfalen-Blatt
EIN PRUNKSTÜCK KEHRT ZURÜCK
500 Jahre alter Schildescher Altar nach Restaurierung wieder in Stiftskirche
Von Elke Wemhöner
und Bernhard PiereI (Fotos)
Schildesche (WB). Zentimeterarbeit war gestern die Ausrichtung des Altarkorpus auf der neuen Trägerkonstruktion. Heute werden die Restarbeiten in der Schildescher Stiftskirche vorgenommen und am Sonntag, 21. Januar, ab 1O Uhr feiert die Gemeinde in einem festlichen Gottesdienst die Rückkehr des restaurierten Schnitzaltars.

Zwölf Monate musste die Ev. Stiftskirchengemeinde auf ihren Altar verzichten. Insektenbefall und Schmutz hatten dem 500 Jahre alten Kunstwerk stark zugesetzt, die Last der beiden Flügel drohte zu irreparablen Schäden zu führen. Im Februar 2006 wurde der spätgotische Altar demontiert, und nach einer speziellen Wärmebehandlung in Lippstadt in der Paderborner Restaurationswerkstatt Böddeker und Schlichting gesäubert und gesichert (diese Zeitung berichtete ausführlich).
Während sich die Restaurie-rungs-Fachleute um die Kleinarbeit kümmerten, entwickelten Brigitte Vöhringer (Amt für Denkmalpflege Münster), Mark Brüning (Bauberatung Kirchenkreis Bielefeld) und Jürgen Böddeker ein Konzept für die Halterung des Altars. Zwei Vertikalträger stellen die Verbindung zum Altartisch her, auf einem Horizontalträger ruht der dreiteilige Altar. Eine weitere Querhalterung sorgt für Stabilität.
Ausgeführt wurde diese Konstruktion von der Firma Metallbau Czerwinski aus Heepen. Gemeinsam mit dem Böddeker-Team und Mitarbeitern der Tischlerei Wippermann (Paderborn) sorgten die Handwerker gestern dafür, dass Korpus und Flügel - die ohne die Schnitzreliefs einem Baukasten ähneln - in die richtige Position kamen. »Wir haben bereits einen Probe-Aufbau in unserer Werkstatt hinter uns«, erläuterte Jürgen Böddeker, der während der Aufbauphase selbst mit Hand anlegte. Restauratorin Tatjana Schirmacher musste sich derweil in Geduld üben. Erst sollte die Konstruktion ganz sicher stehen, ehe nach ihrer Anweisung die ersten Schnitzreliefs eingefügt wurden.
Brigitte Vöhringer (Münster) nahm - wieder einmal - den Altar-Zustand kritisch in Augenschein. Der Werkstoff Holz, so machte sie deutlich, reagiert immer auf Temperatur- und Feuchtigkeits-Veränderungen. Die Bewahrung des kunsthistorisch bedeutenden Kunstwerks verlangt auch künftig viel Fingerspitzengefühl - im Konkreten von Küster Burkhardt Bieker, der die Regulierung der Heizung auf die »Bedürfnisse« des 500 Jahre alten Altars ausrichten muss.
Mit dem Ergebnis der Säuberung und der Erhaltungsmaßnahmen ist die Fachfrau aus Münster zufrieden. Und das Ziel, die Pedrella (den hölzernen Unterbau) langfristig zu entlasten, ist ebenfalls gelungen. Die Gemeinde darf sich auf ein Kunstwerk freuen, dessen Formen und Farben wieder reiner und klarer hervortreten.
Zum Gottesdienst am kommenden Sonntag hofft Pfarrer Hermann Rottmann auf ein volles Haus. Die Kantorei wird das Ihrige dazu beitragen, dass diese Feier auch musikalisch einen besonderen Glanz erhält.
30.Oktober 2005: Sauna-Temperatur gegen Holzwürmer in der Burg
Erschienen in: Mittelbayerische Zeitung
SAUNA-TEMPERATUR GEGEN HOLZWÜRMER IN DER BURG
Schutzaktion in Prunn / In historische Anlage wird zur Schädlingsbekämpfung 70 Grad Celsius warme Luft geblasen
RIEDENBURG-SCHLOSSPRUNN (eb). Im Burghof stehen zwei Anhänger mit Mehrstufenbrennertechnik-Anlagen. Heizöl wird geliefert. Vorsorge für die kühle Jahreszeit? Nein: Es läuft eine Schutzaktion. Aus der historischen Anlage der Bayerischen Schlösserverwaltung sollen Schädlinge, speziell Holzwürmer, verschwinden. Zu diesem Zweck setzt das Unternehmen IRT aus Lippstadt ihre ökologische Verfahrenstechnik gegen Schadinsekten vor Ort ein. Alles sei „völlig frei von Chemie", so Kastellan Franz Wollschläger.
| Die Schädlingsbekämpfung bei Burg Prunn ist seil Mitte des Monats in Gang. „Zum Glück ist noch nicht alles befallen, sonst wäre es eine Katastrophe", sagt Kastellan Franz Wollschläger. Er sagt aber auch, dass in bestimmten Bereichen Spuren von Holzwürmern sichtbar seien: Holzmehl und kleine Löcher. Neben einem Vertreter des Staatlichen Hochbauamts und einem Kollegen ist auch der Kastellan in die Schutzaktion | ![]() |
eingebunden. Der fünfstöckige Turm und dessen Dachstuhl „sind schon behandelt", so Wollschläger vergangene Woche. Insgesamt acht Bereiche sind in die Schutzaktion einbezogen. Damit weder Möbel noch Bilder beschädigt werden, ist zuvor alles ausgeräumt worden. In die einzelnen Räume wird von den Anlagen im Burghof über dicke Schläuche Tag und Nacht Warmluft geblasen. Die Türen sind mit einer Wärmeisolierfolie abgedichtet. In den Räumen herrscht „Sauna-Temperatur", so der Kastellan. In den stärksten Balken seien Temperaturfühler angebracht, die 55 Grad Celsius anzeigen müssten, „dann funktioniert das Ganze". Innerhalb von drei Tagen werde diese Wärme erreicht, so der Kastellan.
Eiweiß wird verändert
Laut Unternehmer Christoph Diers von IRT findet ab 52 Grad Celsius eine Eiweiß-Denaturierung statt: Krabbelt irgendwo ein Schädling, werde dessen körpereigenes Eiweiß so verändert, „dass er nicht mehr lebensfähig ist". Es handle sich um ein Verfahren mit externer Rauchgasführung. Die Temperatur könne „langsam und schonend" auf 80 Grad Celsius gebracht werden. In den Räumen seien es in der letzten Behandlungsphase etwa 70 Grad Celsius. „Es kann nichts brennen", versichert er. Die restauratorischc Beratung für die Maßnahme bei der Burg haben laut Diers die leitenden Restauratoren der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung. Voraussichtlich bis nächsten Freitag dauerten die Behandlungsmaßnahmen auf Burg Prunn. Die Gesamtkosten belaufen sich laut Andreas Muschialik, Leiter des Staatlichen Hochbauamtes Landshut, auf zirka 31 000 Euro.
Ein Nebeneffekt
Der Kastellan hofft, dass die Aktion auch noch einen Nebeneffekt hat: dass es nämlich auch nach Abschluss der Maßnahme noch einige Wochen in dem historischen Objekt warm bleibt. Denn: „Der Winter steht vor der Tür" - und eine Heizung gibt es für die Burg im Riedenburger Ortsteil Schlossprunn nicht.
02.Februar 2005: Es geht auch ohne Gift: „Wir sind doch keine Kammerjäger"
Erschienen in: Donaukurier
ES GEHT AUCH OHNE GIFT: „WIR SIND DOCH KEINE KAMMERJÄGER"
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Spezialfirma setzt moderne Heiztechnik zur Schädlingsbekämpfung auf Schloss Prunn ein / Verfahren schont historische Anlage Prunn (mms) Den Holzschädlingen auf Schloss Prunn wird eingeheizt und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. „Die Löcher in den Balken sind immer mehr geworden. Und |
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außerdem rieselte das Holzmehl heraus und bildete kleine Häufchen", erzählt Kastellan Franz Wollschläger. Um den Schädlingsbefall nun zu stoppen kam die Spezialfirma IRT aus Lippstadt auf den Plan. Die Methode ist denkbar einfach: „Wir erhöhen die Temperatur so weit, bis alle Schädlinge absterben", sagt Christoph Diers. der Inhaber der Finna. Das passiert ungefähr bei 50 bis 55 Grad Celsius. So heiß muss es im Inneren der Balken mindestens werden. Die Raumtemperatur steigt dabei auf maximal 75 Grad. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass die historischen Bauten keinen Schaden nehmen.
Acht Teilbereiche, darunter auch der Turm, sind auf Schloss Prunn betroffen. Egal ob Decken, Treppen, Dachstühle oder Türstöcke - das Verfahren ist immer gleich. Zuerst wird der zu behandelnde Teil eingehaust, also isoliert, so dass die Wärme möglichst erhalten bleibt. Danach wird mittels eines Schlauchs warme Luft hineingepumpt und dadurch die Temperatur stetig und kontrolliert erhöht. Messfühler in den Balken zeigen an, wenn eine ausreichend hohe Temperatur erreicht ist und damit alle Schädlinge abgestorben sind. ,.Um das Material zu schonen, Risse und Verwerfungen zu vermeiden, regulieren wir auch noch die Feuchtigkeit", erklärt Diers.
Trotz der hohen Temperatur schließt Diers ein Feuer aus: „Im Gegensatz zur alten Heizlufttechnik besteht bei diesem Verfahren keine Gefahr, dass glühende Rußpartikel unkontrolliert in den Raum geblasen werden und das Holz entzünden." Die Verfahrenstechnik von IRT hat einen weiteren Vorteil. „Bei uns kommt kein Gift zum Einsatz, wir sind schließlich keine Kammerjäger", sagt Diers.
Die Kosten für die Schädlingsbekämpfung beziffert Andreas Muschialik, Leiter des Staatlichen Hochbauamtes Landshut, auf rund 31 000 Euro.
Die umweltverträgliche Technik von IRT ist bereits seit mehreren Jahren in ganz Deutschland im Einsatz. 1997 ging es sogar nach Polen. In Breslau waren Hunderttausende von Akten und historischen Dokumenten nach dem verheerenden Hochwasser durchnässt - Diers hat sie mit moderner Technik wieder trocken gelegt und so vor dem Zerfall bewahrt.
Auf Schloss Prun, so lautet die Planung, sollen die Arbeiten bis Freitag abgeschlossen sein. Durch dieses Verfahren sollen Möbel und Inventar für die nächsten 15 Jahre vom Holzwurmbefreit sein.
02.Juli 2004: Reinigung belasteter Kulturgüter - deutsch-niederländisches Expertenmeeting bei Fraunhofer UMSICHT
Quelle: Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT
REINIGUNG BELASTETER KULTURGÜTER - DEUTSCH-NIEDERLÄNDISCHES EXPERTENMEETING BEI FRAUNHOFER UMSICHT
Dass Deutsche und Niederländer durchaus dieselben Interessen vertreten können - wenn es sich nicht gerade um Fußball handelt - zeigte sich am vergangenen Mittwoch anlässlich eines deutsch-niederländischen Expertenmeetings zum Thema »Reinigung belasteter Kulturgüter« bei Fraunhofer UMSICHT.
Bereits im März dieses Jahres war eine Forschergruppe, zu der auch die Fraunhofer-Forscher Erich Jelen, Andreas Weber und Rafael Michalski gehörten, mit dem dritten Preis des 3. internationalen Messer-Innovationspreises ausgezeichnet worden für ein neues Verfahren zur Dekontamination holzschutzmittelbelasteter Kulturgüter durch Extraktion mit überkritischem Kohlendioxid. Holzschutzmittel wie DDT und Lindan lassen sich durch dieses Verfahren zu über 90 Prozent aus den historischen Kunstgegenständen entfernen, Restaurierung und Ausstellung sind dann wieder gefahrlos möglich.

Zu dem Meeting hatte Erich Jelen von Fraunhofer UMSICHT nun eingeladen, um Experten aus Deutschland und den Niederlanden, die sich mit der Reinigung und dem Erhalt von Kulturgütern befassen, an einen Tisch zu bringen und gemeinsam unterschiedliche Reinigungsverfahren zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Eine Idee, die bei den Teilnehmern sehr gut ankam, wie die angeregten Fachdiskussionen zeigten. Vielleicht der Startschuss zu einem regelmäßigen Erfahrungsaustausch oder gemeinsamen Kooperationsprojekten? Die Chancen stehen gut, zumindest, solange der Fußball außen vor bleibt...
13.August 2001: Fast wie bei Christo
Autor: Oliver Fok, Kunststätte Bossard
FAST WIE BEI CHRISTO
Kunsttempel aufwendig restauriert
Da, wo es keiner vermutet, mitten im Wald zwischen Jesteburg und Lüllau, liegt auf über 30 000 qm die Kunststätte Bossard. Das Künstlerehepaar Johann und Jutta Bossard vereinigte in jahrzehntelanger kontinuierlicher Arbeit Malerei, Bildhauerei, Architektur, Kunstgewerbe und Gartenkunst und schuf damit ein in Deutschland einmaliges Gesamtkunstwerk.
Im November 1995 wurde die Stiftung Kunststätte Johann und Jutta Bossard gegründet, die den künstlerischen Nachlaß der Bossards als einheitliches Ganzes schützen, pflegen und der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. Gleich nach Gründung der Stiftung begannen die Arbeiten an einem Großobjekt, die bis Ende 1996 dauerten. Das mit Pappschindeln gedeckte Dach des Kunsttempels war an mehreren Stellen undicht und nicht mehr zu reparieren. Es sollte in Kupfer neu eingedeckt werden. Allerdings mußten dazu die abstrakt-lineare Malerei an der Innenseite der Dachschalung befestigt und die Holzwürmer bekämpft werden.
Die Schädlingsbekämpfer und Restauratoren hatten ein riesiges Problem: Alle Hölzer am Kunsttempel waren farblich gefaßt. Wäre Gift aufgetragen worden, hätten die Farben Schaden genommen. Nach Abwägung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Methoden und mit fachlicher Beratung durch den leitenden Restaurator der staatlichen Schlösser und Gärten in München, Heinrich Piening, wurde die geregelte CO -Methode der Firma IRT aus Lippstadt ausgewählt. Diese kombinierte, aus Kohlendioxid-Behandlung und Klimatisierung bestehende Methode ist ein für diese Objektgröße neues, zuverlässiges Verfahren.
Es ist für die verschiedenen Materialien und Farben der Kunstwerke völlig ungefährlich. Um alle Schädlinge im Gebäude zu erreichen, mußte - in einer spektakulären Aktion, fast wie bei Christos Verpackungsaktion am Reichstag in Berlin - der ganze Kunsttempel in Folie verpackt werden.
Dafür wurde das Gebäude zunächst komplett eingerüstet, die schwere Folie sollte nicht auf dem Dach aufliegen und beschädigt werden. Durch ein im Gebäude installiertes ausgeklügeltes Rohrsystem wurde thermisch geregeltes Kohlendioxid in den Innenraum geleitet. Das Gas verdrängt den lebensnotwendigen Sauerstoff und tötet sämtliche Schadinsekten in allen Entwicklungsstufen ab.
Die konstante Temperatur, die mit computergesteuerter Meß- und Regeltechnik gehalten wurde, war dabei besonders wichtig. Kühlt das Gas zu stark ab, wird aus C02 in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit Kohlensäure, die die Farben schädigen kann.
ÜNH unterstützte die vielfältigen und notwendigen restauratorischen Arbeiten an der Kunststätte Bossard mit einer großzügigen Spende, für die sich die Stiftung herzlich bedankt.
Oliver Fok, Kunststätte Bossard
06.März 2001: Bei dieser Technik bleibt der Hausbock chancenlos
Erschienen in: Immobilien Markt im Kreis Güsterloh
BEI DIESER TECHNIK BLEIBT DER HAUSBOCK CHANCENLOS
SPEZIALFIRMA VERTREIBT TIERISCHE SCHADINSEKTEN

Dieser Gast ist nicht nur unerwünscht; wenn er zu lange bleibt, wird es teuer und womöglich gefährlich. Die Rede ist vom Hausbock. Der Käfer frisst sich mit Vorliebe durch das Holz des Dachstuhls. Ihn zu vertreiben, war für den Hausbesitzer bislang ein mittelschweres Problem. Das hat Christoph Diers erkannt und darauf reagiert. Mit ganz neuen Methoden vertreibt er die tierischen Schadinsekten.
Der Name seiner Firma IRT - Innovative Restaurierungs-Technik - ist Programm. „Wir sind keine Kammerjäger“, betont der gebürtige Lippstädter, der auch dort seinen Firmensitz hat, „wir betreiben moderne Mess- und Regeltechnik.“ Und, ganz wichtig: Gift kommt nicht zum Einsatz. Das zu wissen, ist für seine Kunden eine große Erleichterung: Der Weg vom Dachstuhl bis ins Kinderzimmer ist oft nicht weit.
Laienhaft formuliert: Heißluft tötet tierische Schädlinge. Das ist nicht neu und wird seit Jahrzehnten praktiziert. Diers dagegen geht andere Wege, abgestimmt unter anderem mit dem Westfälischen Amt für Denkmalpflege in Münster. Statt wie früher Einblastemperaturen von 120 bis 140 Grad benötigt er nur 70 bis 100 Grad. Moderne Technik regelt die Feuchtigkeit der behandelten Objekte, so dass keine Risse oder Verwerfungen entstehen. Ein weit verzweigtes Rohrsystem sorgt für die exakte Luftverteilung. Da dies alles sehr vorsichtig und kontrolliert geschieht, dauert die
Behandlung zwar länger, ist aber wesentlich schonender. „Für den Dachstuhl eines normalen Einfamilienhauses brauchen wir gut einen Tag“, meint Diers. Auf diese Weise lässt sich nicht nur dem Hausbock, sondern auch dem Hausschwamm und allem, was das Holz angreift, der Garaus machen. Die Firma IRT hat aber noch einiges mehr zu bieten - die thermisch geregelte Behandlung von Möbeln zum Beispiel, um dem Holzwurm zu Leibe zu rücken. Überhaupt nimmt sich Christoph Diers alles vor, was tierischen Schadinsekten zum Opfer fallen kann: „Wir hatten schon eine Sammlung von Indianermasken, eine Bibel aus dem 14. Jahrhundert, eine Mumie und und und.“ Und wenn die Hitze einem hohen Kulturgut zu sehr zusetzen würde, setzt er CO2, also Kohlendioxid ein. Die Kunststätte Bossard in Jesteburg bei Hamburg zum Beispiel wurde zunächst komplett gasdicht eingepackt (2.000 Kubikmeter), anschließend kam 27 Tage lang exakt 30 Grad warmes Kohlendioxid in das Gebäude. Das Gas verdrängt den lebensnotwendigen Sauerstoff und tötet sämtliche Schadinsekten ab. Und das eingepackte Haus sieht aus wie bei
Christo - nur ist es in diesem Fall keine Kunstaktion. Die IRT-Referenzliste ist lang, sie reicht vom Museum Ludwig in
Köln über das Franz-Lehar-Museum in Bad Ischl bis hin zu den Staatlichen Schlössern und Gärten in München. Aber auch hier in der Gegend war Diers schon helfend tätig: zum Beispiel im Gütersloher Stadtmuseum an der Kökerstraße.
Stefan Lind
Quelle: Immobilien Markt im Kreis Gütersloh, Ausgabe 6, März/2001,
mit freundlicher Genehmigung des Autors.
01.Juni 2000: Innovative Bekämpfungsmaßnahme gegen den Gewöhnlichen Nagekäfer mit CO2 am Chorgestühl der Klosterkirche in Osek / Tschechische Republik
Autor: Dipl.-Ing. (FH) Reiner Klopfer; Sachverständiger für Holzschutz
INNOVATIVE BEKÄMPFUNGSMASSNAHME GEGEN DEN GEWÖHNLICHEN NAGEKÄFER MIT CO2 AM CHORGESTÜHL DER KLOSTERKIRCHE IN OSEK / TSCHECHISCHE REPUBLIK
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Dipl.-Ing. (FH) Reiner Klopfer; Sachverständiger für Holzschutz
Deutsches Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege
Propstei Johannesberg, Fulda e.V.
36041 Fulda
1 Einleitung
Das Deutsche Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege (ZHD) bearbeitet das Verbundprojekt „Chorgestühl Kloster Osek“, das durch folgende Institutionen gefördert wird: Bundesministerium des Inneren (BMI), Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie die Europäische Gemeinschaft (EU). Das Gesamtvorhaben soll einerseits Maßnahmen zur Erhaltung von Kulturgut mit Materialien fördern, die den Aspekt des Umwelt- und Gesundheitsschutzes intensiver berücksichtigen als bisherige Maßnahmen (Anteil DBU). Andererseits soll dieses Kulturgut von hoher internationaler Bedeutung wiederhergestellt und restauriert werden (Anteil BMI und EU). Vor diesem Hintergrund ist das Projektziel, die praktische Umsetzung umwelt- und gesundheitsschonender Maßnahmen bei der Bekämpfung von Holzschädlingen, sowie bei der Schädlingsvorbeugung unter Berücksichtigung der großen Dimensionen und den Auswirkungen auf das zu behandelnde Kulturgut, zu sehen.
2. Das Chorgestühl
Das Zisterzienserkloster Osek (bis 1945 Ossegg) wurde 1196 durch Zisterziensermönche aus dem oberpfälzischen Kloster Waldsassen gegründet. 1950 wurde das Kloster in der damaligen CSSR geschlossen und erst 1992 dem Zisterzienserorden zurückgegeben. Seither leitet Abt Bernhard Thebes mit hohem Einsatz das Kloster und ist um Wiederaufbau und Instandhaltung bemüht. Eine besondere kunsthandwerkliche Meisterleistung ist das barocke Chorgestühl aus dem beginnenden 18 Jahrhundert, das noch heute den Mönchen für das gemeinschaftliche Chorgebet dient. Das Chorgestühl wurde in den Klosterwerkstatt geschaffen und ist dem Tischlermeister-Intarseur und Holzschnitzer J.J.Profft zugeschrieben, der mit seinen Mitarbeitern die wertvolle, mit Schnitz- und Intarsienarbeiten reich geschmückte Anlage schuf.
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Abb. 1: Nördliches Chorgestühl. |
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Abb. 2:Detail der kunstvollen Intarsien |
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3. Die Schäden
Das Chorgestühl, bestehend aus einem nördlichen und einem südlichen Teil, wurde zuletzt Mitte der `60er Jahre in eine Restaurierungsmaßnahme eingebunden. Danach waren Teile des südlichen Chorgestühls ausgebaut und in notdürftig hergerichteten Räumen der ruinösen Klosterbrauerei unter sehr widrigen Umständen ausgelagert. Dort waren umfangreiche Schädigungen auch durch Schimmelpilze vorhanden, die im wesentlichen den Knochenleim unter den Furnieren, sowie die Fassungen geschädigt haben. Das gesamte Chorgestühl war weiterhin durch den Gewöhnlichen Nagekäfer (Anobium punctatum [De Geer]) befallen.
Eine Aktivitätskontrolle erfolgte mittels Pheromonfallen, die 1998 einen Lebendbefall sicher dokumentierten. Die höchste Anzahl an gefangenen Käfern konnte in einem sehr kurzen Zeitraum von Mitte bis Ende Juli ermittelt werden. Es ist daher davon auszugehen, daß hier die Hauptflugzeit des Gewöhnlichen Nagekäfers in der Klosterkirche gewesen ist. Die Temperaturen lagen in diesem Zeitraum im Durchschnitt bei 18°C, die relative Luftfeuchtigkeit bei 70%. Neben dem zeitlich begrenzten Monitoring mit Pheromonfallen wurde und wird zusätzlich eine mehrjährige Klimamessung an und in der Klosterkirche durchgeführt. Somit standen für die Bekämpfungsplanung u.a. Daten von Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit im Innenraum der Kirche zur Verfügung.
4. Vorbereitungs- und Abdichtungsmaßnahmen
Die gasdichte Ausbildung um bewegliches Kulturgut herum erscheint mit Zelten, Kammern oder Foliensäcken noch vergleichsweise einfach ausführbar. Für größere, unbewegliche Kulturgüter und ganze Gebäude erhöht sich der Aufwand der Abdichtungsmaßnahmen wesentlich. Insbesondere der Bereich Fußböden verdient bei dem, im Vergleich zur Umgebungsluft, schwereren Gas CO2, erhöhte Aufmerksamkeit. In den wenigsten Fällen sind Fußböden in Gebäuden als gasdicht anzusehen, so daß ein Absacken des Gases durch Fugen und poröse Materialien erfolgt. Auch Leitungsschächte, Entwässerungen, Kellerbereiche, Gruft- und Kanalsysteme bergen die Gefahr, das das Gas in diese nicht immer bekannten Hohlräume eindringt und unbemerkt über diese Systeme auch in andere Gebäudeteile gelangen kann. Eine genaue Analyse des Untergrundes ist daher im Vorfeld einer CO2
Begasung unbedingt erforderlich.
Der hier vorgefundene untere konstruktive Aufbau des Chorgestühls stellte sich wie folgt dar: der Fußboden besteht aus weichen Terrakotten, die vermutlich auf Sand verlegt sind, die Fugen sind mit Kalkmörtel verschlossen. Um das Chorgestühl herum sind, wahrscheinlich zu einer späteren Zeitpunkt verlegt, großformatige Natursteinplatten vorhanden. Auf diesem Fußboden ist mit einer jochartigen Konstruktion aus Eiche ein ca. 45cm hohes Podest
errichtet, auf dem die jeweils 19 Sitzplätze einer Chorgestühlseite aufgebaut sind. Das Podest wird über jeweils drei dreistufige Treppen erschlossen, die zwischen und an den Seiten der vorgelagerten Buchbank angeordnet sind. Um für die Bekämpfungsmaßnahme eine gasdichte Ausbildung des Chorgestühls zum Untergrund hin zu ermöglichen, wurde eine schrittweise Anhebung einzelner Aufstandsflächen vorgenommen unter die die Bleche eingebracht, die
Zwischenräume mit gasdichter Folie ausgelegt und mit den Blechen verklebt und abgedichtet wurden.
Über dem nördlichen und südlichen Chorgestühl wurden verschieden hohe hölzerne Rahmen aufgestellt, zwischen denen Teleskopstangen das pultförmige Traggerüst des Begasungszeltes bildeten. Das gesamte Chorgestühl wurde inklusive dem zwischen nördlichem und südlichem Teil bestehenden Zwischenraum in eine gasdichte Hülle eingepackt. Die einzelnen Folienbahnen wurden untereinander doppelt verschweißt, die Stöße mit Gewebeband armiert und zusätzlich mit einem gasdichten Aluminiumklebeband versiegelt.
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Abb. 4: Gesamtansicht des Begasungszeltes. |
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Im Zwischenraum des Chorgestühls wurden auf gepolsterten Unterlagen Teile des abgebauten südlichen Chorgestühls, sowie weitere befallene Holzteile und Skulpturen in Regale zum Begasen eingelagert. Der gesamte Umbaute Raum betrug etwa 1000 m³. Es erfolgte eine Kontrolle der Dichtigkeit mittels Überdruck sowie über eine visuelle Leckagenkontrolle des lichtundurchlässigen Folienzeltes. |
5. Durchführung der Maßnahme
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Abb. 5: Gastank und Verdampfereinheiten |
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Nach Anschluß der Klimaeinheit an das Begasungszelt, Aufstellung des Gastanks und der Verdampfereinheiten, sowie Anschluß von Wasser, Strom und Gas konnte am 24 Juni 1999 mit der Maßnahme begonnen werden. Die Begasung wurde nach einer vorsichtigen Temperaturerhöhung und der Spülphase, bei der zunächst die Atmosphäre im Begasungszelt auf die Gaswerte um ca. 60% CO2 und ca. 10% O2 eingestellt wurde, über einen Zeitraum von 22 Tagen durchgeführt. Um die Unversehrtheit des Kulturobjektes zu sichern war die Einhaltung gleichbleibender Feuchtigkeitswerte im Begasungszelt sicherzustellen. Das verwendete flüssige CO2 kommt nach dem Durchlauf durch die Verdampfereinheiten sehr trocken und kalt in dem zu begasenden Raum an. Ohne Gegenmaßnahmen (Befeuchtung, Heizung) würde dies zu einem drastischen Abfall der relativen Luftfeuchtigkeit und damit zu einem Absinken der Holzfeuchte führen. Schwundrisse und Schädigungen an Fassungen wären unvermeidlich. Während der Maßnahme wurde deshalb die relative Luftfeuchte auf etwa 67% |
und die Temperatur auf eine Obergrenze eingestellt, überwacht und geregelt und bei Bedarf modifiziert. Klimaeinheit und Begasungszelt stellten ein geschlossenes System dar (bis auf Diffusionsvorgänge durch die Folie und die Leckagen), bei dem etwa 4000 m³ Luft pro Stunde umgewälzt wurden. An der ungünstigen Stelle wurde die relevante Gaskonzentration ermittelt. Der gesamte CO2 Bedarf betrug für diese Maßnahme etwa 20 t und wurde aus einer wenige Kilometer entfernten, chemischen Anlage geliefert. Hierbei soll nicht unerwähnt bleiben, daß CO2 auch als sogenanntes „Treibhausgas“ bekannt ist und daher eine besondere Betrachtung verdient. Neben Vorkommen als natürliche Quellkohlensäure (Mineralwasser) fällt ein großer Teil des im Handel befindlichen Kohlendioxides als sogenanntes Prozeßgas in der chemischen Industrie an und kann während einer Kulturgutbegasung als „sinnvoll“ zwischengenutzt betrachtet werden. Der geschätzte Gesamtanfall von etwa 13t CO2 / Jahr für einen Single Haushalt läßt die hier verbrauchte Menge in einem anderen Licht erscheinen. Die Begasungsmaßnahmen wurden durch die Firma Innovative Restaurierungstechniken (IRT), Lippstadt (D) durchgeführt, Gasbehälter und Verdampfereinheiten lieferte Firma Westfahlengas (D), die Gaslieferung erfolgte durch die Firma Chemopetrol (CZ). Bei einer geforderten Einwirkzeit von 21 Tagen bei 30° C konnte bei den gewählten klimatischen Bedingungen mit 35° C über 22 Tage mit einer sicheren Abtötung der Insekten gerechnet werden.
6. Erfolgskontrolle
Da geeignete Testmethoden zum Letalitätsnachweis von reaktiven, reaktionsträgen und inerten Begasungsmitteln weitgehend fehlen obwohl alternative Bekämpfungsverfahren zunehmend in der Praxis angewandt werden, wurde hier eine Methode angewandt, die von Dr. rer. nat. W. Unger auf der 21. Holzschutztagung der DGfH in Rosenheim 1998 vorgestellt wurde. Ausgangspunkt bilden die für den Holzschutz typischen Normprüfkörper aus Kiefernsplintholz (Pinus sylvestris L.) nach EN 46 (1990) mit den Abmessungen 50 mm x 25 mm x 15 mm, die hier mit je 8 Larven des Gewöhnlichen Nagekäfers bestückt wurden. Diese Prüfkörper wurden in größere, unterschiedlich dimensionierte, aus zwei gleichen Teilen bestehende Holzbalken eingesetzt, die symmetrische Aussparungen für die Normprüfkörper enthielten. Nach dem Einsetzen der Normprüfkörper wurden die beiden Balkenhälften mit einer Fugendichtmasse, hier Paraffin, abgedichtet. Durch unterschiedliche Dimensionierung der Prüfbalken, verschiedenen Beschichtungs- und Holzarten kann den jeweiligen Gegebenheiten der Bekämpfung vor Ort entsprochen werden. Für die Maßnahme im Kloster Osek wurden 6 verschiedene Prüfbalken mit jeweils 1 oder 2 Normprüfkörpern (à 8 Larven) angefertigt. Ein Prüfbalken mit 2 Normprüfkörpern, sowie ein einzelner Normprüfkörper dienten als Kontrollprobe und wurden nicht mit bekämpft. Ein Prüfbalken wurde vor Abschluß der Bekämpfungsmaßnahme aus dem Zelt geborgen und sofort ausgewertet, um gegebenenfalls die Einwirkzeit verlängern zu können. Alle Larven
waren dunkel verfärbt und tot.
Die weiteren Auswertungen wurden durch Dr. Uwe Noldt, Universität Hamburg, Ordinariat für Holzbiologie, vorgenommen. Dabei wurden die Eigenschaften und Parameter Larvenaktivität (Bohrmehl), Larvengröße, Herkunft, Parasitenbefall, Larvenverfärbung und Abtötung erfaßt. Die lebenden Larven stammten von der BFH Hamburg, vom Sachverständigen M. Eichhorn und R. Klopfer (ZHD).
Die Bekämpfungsmaßnahme an Hand der Auswertung der eingesetzten Normprüfkörper (n = 10; davon 7 im Zelt und 3 außerhalb des Zeltes) kann als erfolgreich beurteilt werden, da keine Larven in den im Zelt plazierten Prüfkörpern bei Bekämpfungsende überlebt hatten, während in den Kontrollproben noch Larven lebten oder aber kurzfristig vorher wegen einer Parasitierung (Kugelbauchmilben) abgestorben waren.
7 Zusammenfassung
Die bis heute angewandten Begasungsverfahren gegen holzzerstörende Insekten mit reaktiven Gasen werden in Zukunft aus Umwelt- und Gesundheitsaspekten weiter an Bedeutung verlieren. Der Einsatz von inerten Gasen, wie Stickstoff (N2) oder Kohlendioxid (CO2) kann schon heute unter Einhaltung bestimmter Parameter objektschonend und praktikabel angewandt werden. Die möglichst gasdichte Ausbildung einer Ummantelung der Objekte in Zelten oder mit vorgefertigten Modulen ist eine wesentliche Voraussetzung für eine wirtschaftlich vertretbare Anwendung. Eine schonende Temperaturerhöhung der Begasungsatmosphäre mit gleichzeitiger Feuchteregelulierung und -anpassung sowie die Einhaltung der Inertatmosphären in engen Grenzen verkürzen die Behandlungszeit und sichern sowohl Bekämpfungserfolg als auch die Objektschonung. Dazu gehören auch Voruntersuchungen zur Feststellung der Materialarten und Materialbeschaffenheiten, die Erfassung der klimatischen Verhältnisse sowie ein sorgfältiges und objektschonendes Arbeiten der ausführenden Firmen. Durch eine ausgeklügelte Anwendungstechnik ist es möglich geworden, dieses Verfahren den individuellen Gegebenheiten vor Ort und den
Wüschen der Restauratoren anzupassen. Die Überprüfung des Bekämpfungserfolges mit geeigneten Prüfkörpern trägt zur Sicherung der Verfahrenstechnik bei.
Juni 2000
Reiner Klopfer
8 Literaturverzeichnis
DIN 68 800-4: Holzschutz. Bekämpfungsverfahren gegen holzzerstörende Pilze und Insekten. 1992
EN 46: Holzschutzmittel. Bestimmung der vorbeugenden Wirkung gegenüber Eilarven von Hylotrupes bajulus L. 1990
EN 48: Holzschutzmittel. Bestimmung der bekämpfenden Wirkung gegenüber Larven von Anobium punctatum De Geer. 1990
Binker G.:Umweltschutzkonzepte und Neuentwicklungen bei Kulturgutbegasungen, in: Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, BD 75, München 1995
Binker G, Binker J., Fröba G.: Innovative Stickstoffbegasung gegen Schadinsekten in Museen, in: Dem Zahn der Zeit entrissen, Köln 1997
Piening H.: Modifizierte Inertatmosphären in der Schädlingsbekämpfung – oder: Im Zweifel für´s Objekt, in: Dem Zahn der Zeit entrissen, Köln 1997
Unger A.: Begasung von Kulturgütern: Grundlagen – Materialien – Entwicklungen, in: Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, BD 75, München 1995
Unger W.:Methoden zum Nachweis der biologischen Wirksamkeit alternativer Bekämpfungsvarianten gegen holzzerstörende Insekten, in: Tagungsband der 21. Holzschutztagung der DGfH, Rosenheim 1998
9. Angaben zur Person
Dipl.-Ing. (FH) Reiner Klopfer
(Jahrgang 1963, ledig)
• 1985-1990: Berufsausbildung und Tätigkeit als Forstwirt
• 1995: Abschluß des Studiums zum Diplom-Holzingenieur in Hildesheim
• 1996: Sachkundenachweis im bekämpfenden Holzschutz
• seit 1995: wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Zentrum für Handwerk und
Denkmalpflege in Fulda.
Mitarbeit in den DGfH Ausschüssen:
• „Erhaltung und Erneuerung alter Bausubstanz“
• „Bekämpfungsmaßnahmen zum Schutz von Holz“
Schwerpunktarbeit am Deutschen Zentrum für Handwerk und Denkmalpflege:
• Erarbeitung und Durchführung Förder- und Forschungsprojekten in Gebieten Holzbau,
vorbeugender und bekämpfender Holzschutz, Untersuchstechniken und Dokumentation
im nationalen und internationalen Rahmen;
• Durchführung von Untersuchungsaufträgen und Gutachten;
Organisation und Durchführung der „Sachkundeausbildung im bekämpfenden Holzschutz“ in
der ZHD Außenstelle in Gernewitz/Thüringen; Fachvorträge bei Architekten und
Tragwerkplanern, sowie in der Weiterbildung zu Restauratoren im Handwerk in Fulda.
27.Juni 1998: Jagd auf Holzwurm in der Kirche
Erschienen in: Barmstedter Zeitung
JAGD AUF HOLZWURM IN DER KIRCHE
BRANDE-HÖRNERKIRCHEN: KOHLENDIOXID GEGEN SCHÄDLINGE
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Dem Holzwurm keine Chance. Nach diesem Motto wird in den nächsten Wochen in der Kirche zu Hörnerkirchen gehandelt. Mit Kohlendioxid rücken Spezialisten dem gefräßigen Winzlingzu Leibe. Von Michael Bunk
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und die mächtigen Innentüren mit einem Kreuz im Fenster, die an einem Pfeiler neben dem Altar lehnen, erinnern daran, daß hier eine Kirche ist.
Orgel ist besonders stark betroffen
Der Grund für diesen Aufwand im Hörnerkirchener Gotteshaus: In dem achteckigen Bau neben dem Marktplatz hat sich der Holzwurm eingenistet. Besonders betroffen ist die Orgel. Dort hat der Schädling so große Schäden angerichtet, daß unbedingt etwas getan werden muß. „Sonst hätten wir die Orgel rausreißen und die Windkanäle erneuern müssen", sagte Hans-Hermann Schnoor. Die nur wenige Millimeter großen Tierchen haben auch schon die Bänke angegriffen. Der Dachstuhl ist aber nicht gefährdet.
Diesem Übel rückt ab Montag die Firma Innovative Restaurierungs-Technik GmbH (IRT) zu Leibe - mit Kohlendioxid. Im Gegensatz zu vielen älteren Verfahren verzichtet die IRT vollkommen auf Giftstoffe. „Die Besucher können sofort wieder reinkommen, wenn das Kohlendioxid wieder raus ist", so Hans-Georg Schülke. Er ist als technischer Leiter für die Arbeiten in Hörnerkirchen zuständig.
Das geruchlose Gas verdrängt den Sauerstoff
Das Prinzip der Schädlingsbekämpfung ist denkbar einfach: Das geruchlose Gas verdrängt den Sauerstoff aus der Luft. Dadurch wird dem Holzwurm die Lebensgrundlage genommen; er stirbt, egal ob als ausgewachsenes Insekt, als Larve oder als Ei.
Um die notwendige Kohlen-stoffdioxid-Konzentration vor. 50 bis 60 Prozent zu schaffen ist der große Aufwand nötig - Über 150 Meter Rohrleitungen wird das Gas in alle Ecken der Kirche gedrückt. Die Rohre mußten auf kleine Stelzen gebaut werden. „Wir konnten die Bänke nicht wie sonst ausbauen", so Schülke. Die Türen der Bankreihen sorgten für zusätzliche, aber lösbare Schwierigkeiten.
Weil Kohlendioxid schwerer als Sauerstoff ist, verdrängt es diesen. Der Sauerstoff entweicht über eine Dachluke und einen Absaugschlauch, der seine Öffnung direkt unter der Kuppel hat. In der Tür steht der orangene Steuerungsschrank, die die Temperatur bei konstant 30 Grad Celsius hält. Die computergesteuerte Anlage hält auch die Kohlendioxidkonzentration und bläst, wenn nötig, Gas nach.
Die Kirche darf nicht betreten werden
Dies wird in jedem Fall nötig sein, obwohl alle Fenster und Türen mit einer Spezialfolie abgeklebt sind und auch der Fußboden mit Plastik ausgelegt ist. „Wir rechnen mit einem Verlust von 30 Prozent", sagt Hans-Georg Schülke. Insgesamt werden rund 50 Tonnen Kohlendioxid nötig sein, um alle Holzwürmer abzutöten. Allein zum Spülen werden zwölf Tonnen verbraucht, etwa das Vierfache des Raumvolumens in der Kirche von 2800 Kubikmeter.
Das Dioxid wurde unter Druck als Flüssiggas bei -80 Grad Celsius in einem mobilen Tank angeliefert. Vom Marktplatz aus fließt es über mehrere Erwärmer in einem Hochdruckschlauch zur Kirche.
Die Kirche darf während der Begasung nicht betreten werden. „Die Konzentratin-ist tödlich", verdeutlicht Schülke. In der normalen Atemluft sind 0,03 Prozent Kohlendioxid vorhanden. Es gibt allerdings einen Noteinstieg, der aber nur unter Atemschutz benutzt werden darf.
Gottesdienst findet in Friedhofskapelle statt
Die Kirche bleibt voraussichtlich bis Ende Juli geschlossen. „Das geht nur, weil jetzt die Ferienzeit kommt", sagt Pastorin Renate Juhl. Der Gottesdienst findet bis dahin in der Kapelle des Friedhofs statt. Die genauen Termine werden am Pastorat ausgehängt. Die gesamte Maßnahme kostet rund 98 000 Mark. Die Kirchengemeinde Hörnerkirchen hat dafür Zuschüsse des Landes, aus dem Baufonds der Nordelbischen Kirche und vom Kirchenkreis Rantzau bekommen. Außerdem gab es einige großzügige Spenden. Die stammen teilweise von Einwohnern, die einige alte Möbelstücke mit in die Kirche stellen können.












