Presseberichte

PRESSE-BERICHTE

ES GEHT AUCH OHNE GIFT: „WIR SIND DOCH KEINE KAMMERJÄGER"


Spezialfirma setzt moderne Heiztechnik zur Schädlingsbekämpfung auf Schloss Prunn ein / Verfahren schont historische Anlage

Prunn (mms) Den Holzschädlingen auf Schloss Prunn wird eingeheizt und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. „Die Löcher in den Balken sind immer mehr geworden. Und

außerdem rieselte das Holzmehl heraus und bildete kleine Häufchen", erzählt Kastellan Franz Wollschläger. Um den Schädlingsbefall nun zu stoppen kam die Spezialfirma IRT aus Lippstadt auf den Plan. Die Methode ist denkbar einfach: „Wir erhöhen die Temperatur so weit, bis alle Schädlinge absterben", sagt Christoph Diers. der Inhaber der Finna. Das passiert ungefähr bei 50 bis 55 Grad Celsius. So heiß muss es im Inneren der Balken mindestens werden. Die Raumtemperatur steigt dabei auf maximal 75 Grad. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass die historischen Bauten keinen Schaden nehmen.

Acht Teilbereiche, darunter auch der Turm, sind auf Schloss Prunn betroffen. Egal ob Decken, Treppen, Dachstühle oder Türstöcke - das Verfahren ist immer gleich. Zuerst wird der zu behandelnde Teil eingehaust, also isoliert, so dass die Wärme möglichst erhalten bleibt. Danach wird mittels eines Schlauchs warme Luft hineingepumpt und dadurch die Temperatur stetig und kontrolliert erhöht. Messfühler in den Balken zeigen an, wenn eine ausreichend hohe Temperatur erreicht ist und damit alle Schädlinge abgestorben sind. ,.Um das Material zu schonen, Risse und Verwerfungen zu vermeiden, regulieren wir auch noch die Feuchtigkeit", erklärt Diers.
Trotz der hohen Temperatur schließt Diers ein Feuer aus: „Im Gegensatz zur alten Heizlufttechnik besteht bei diesem Verfahren keine Gefahr, dass glühende Rußpartikel unkontrolliert in den Raum geblasen werden und das Holz entzünden." Die Verfahrenstechnik von IRT hat einen weiteren Vorteil. „Bei uns kommt kein Gift zum Einsatz, wir sind schließlich keine Kammerjäger", sagt Diers.
Die Kosten für die Schädlingsbekämpfung beziffert Andreas Muschialik, Leiter des Staatlichen Hochbauamtes Landshut, auf rund 31 000 Euro.
Die umweltverträgliche Technik von IRT ist bereits seit mehreren Jahren in ganz Deutschland im Einsatz. 1997 ging es sogar nach Polen. In Breslau waren Hunderttausende von Akten und historischen Dokumenten nach dem verheerenden Hochwasser durchnässt - Diers hat sie mit moderner Technik wieder trocken gelegt und so vor dem Zerfall bewahrt.
Auf Schloss Prun, so lautet die Planung, sollen die Arbeiten bis Freitag abgeschlossen sein. Durch dieses Verfahren sollen Möbel und Inventar für die nächsten 15 Jahre vom Holzwurmbefreit sein.