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HEIßLUFT FÜR DEN DACHSTUHL

Holzkonstruktion der Martinuskirche ist vom gescheckten Nagekäfer befallenHeißluft für den Dachstuhl

GREVEN  Dem ein oder anderen Grevener ist es auf dem Weg durch die Innenstadt sicher schon aufgefallen: An der Martinuskirche ist seit diesem Montag eine etwas sonderbare Konstruktion aus langen Rohren angebracht.
Der Grund: Beinah der gesamte Dachstuhl der Kirche ist von einem Schädling befallen, dem so genannten gescheckten Nagekäfer. So komisch der Name klingt, so gefährlich kann das Tier werden. „Wenn man da nichts macht, wird das Dach über kurz oder lang instabil", erklärt Michael  Hüttermann, Mitarbeiter der Zentralrendantur der Kirche.
Daher musste schnell gehandelt werden. Nachdem ein Gutachter im vergangenen Herbst den Befall festgestellt hatte, wurde zuerst das betroffene Holz ausgetauscht. Im nächsten Schritt wird nun die gesamte Käfer-Population „in jedem Entwicklungsstadium" abgetötet, wie Christoph Diers, Inhaber der gleichnamigen Firma für technische Denkmalpflege, erläutert. Hierfür wurde ein zwar etwas kostspieligeres, dafür aber ökologisch einwandfreies Verfahren gewählt.
Durch insgesamt 120 Meter Rohr wird heiße Luft in den Dachstuhl gepumpt. Die Kerntemperatur von 55 Grad überlebt der Schädling nicht und kann so ganz ohne Gift abgetötet werden. Gleichzeitig ist die Methode schonend für das Holz, es besteht keine Brandgefahr. „Wegen der getrennten Rauchgasleitung können keine Rußpartikel nach oben gelangen", so Diers weiter. Für die Kirchengemeinde gibt es auch keine Einschränkungen: Die Arbeiten gehen beinah geräuschlos vonstatten, man hört höchstens „ein Rauschen wie vom Meer", weiß der technische Denkmalschützer. Und schwitzen muss trotz der mit 55 Grad ziemlich hohen Temperatur auch niemand, denn heiße Luft steigt ja bekanntlich nach oben.
Die Kosten für die Maßnahmen inklusive der bereits abgeschlossenen Zimmerarbeiten belaufen sich insgesamt auf 178500 Euro, 70000 davon übernimmt das Bistum Münster. Die Investition lohnt sich: „In 20 Jahren Firmengeschichte hatten wir keinen einzigen Wiederbefall", zeigt sich Diers überzeugt von der angewendeten Heißluft-Methode.
Zwei Wochen werden die Arbeiten noch andauern. So lang muss jede Nacht ein Mitarbeiter der Firma im mitgebrachten Wohnmobil neben der Kirche übernachten, weil die Heißluft-Zufuhr auch nachts weiterläuft. „Vielleicht kommt ja mal ein Grevener mit einem Grill und einem Schnitzel vorbei", hofft Diers. Wer weiß ...

Eva Tanski