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HITZE SCHNÜRT DEM KÄFER DIE LUFT AB

RHEINE Während Pfarrer Bernhard Lütkemöller in seinem zukünftigem Wohnzimmer saunieren könnte, ist das Klima dem gescheckten Nagekäfer weniger zuträglich. Es ist mit rund 60 Grad Lufttemperatur so heiß im denkmalgeschützten Haus am Markt 14, dass dem gefräßigen Käfer nicht nur der Appetit vergeht, sondern ihm vollständig die Luft wegbleibt.


Von Miriam Daschty

Hitze schnürt dem Käfer die Luft ab

Korrekt nennt sich das Denaturierung der Eiweiße bei 52 bis 55 Grad Celsius. Einfach gesagt: Dem Schädling wird im Pfarrhaus der Stadtkirche der Garaus gemacht - ganz ohne Gift oder sonstige umweltschädigenden Mittel. In einer thermischen Maßnahme wird seit Mittwoch heiße Luft im alten Gebälk verteilt. 
"Wir arbeiten mit einer modernen Mehrstufenbrenneranlage mit getrennter Rauchgasführung", erklärt Christoph Diers vom IRT-Denkmal- und Bautenschutz. Das sei so wichtig, weil bei diesem Verfahren keine Brandgefahr bestehe. Außerdem sei die Methode zu 100 Prozent wirksam: "Alle Entwicklungsstufen - Ei, Larve und Käfer - werden abgetötet", sagt Diers.

Ökologisches Verfahren

Pfarrer Lütkemöller ist froh über dieses ökologische Verfahren, lehnt toxische Schädlingsbekämpfung aufgrund des Gedankens der Schöpfungsbewahrung strikt ab.Bis Sonntagabend soll die Aktion beendet sein, wobei das Team Glück hatte: "Das Ordnungsamt hätte uns beinahe beide Heizaggregate stillgelegt", sagte Lütkemöller gestern. 
Grund: Sie ragten etwa einen Meter in die nicht gemietete Fläche des Marktplatzes. Die Lösung: Dem Geflügelhändler wird am samstäglichen Markttag eine besondere Ehre zuteil - er darf seine Waren direkt vor der Stadtkirche verkaufen.