Presse

JAGD AUF HOLZWURM IN DER KIRCHE

BRANDE-HÖRNERKIRCHEN: KOHLENDIOXID GEGEN SCHÄDLINGE


Dem Holzwurm keine Chance. Nach diesem Motto wird in den nächsten Wochen in der Kirche zu Hörnerkirchen gehandelt. Mit Kohlendioxid rücken Spezialisten dem gefräßigen Winzlingzu Leibe.

Von Michael Bunk


Hörnerkirchen. Vor den riesigen Glasfenstem reflektiert eine silberne Folie die einfallenden 
Lichtstrahlen. Der Fußboden ist mit Plastikfolie abgeklebt. Über die Bankreihen windet sich ein Gewirr
aus Rohren verschiedenster Größen. Allenfalls die Kanzelüber dem Altar am Ende des Ganges 

Jagd auf Holzwurm in der Kirche

und die mächtigen Innentüren mit einem Kreuz im Fenster, die an einem Pfeiler neben dem Altar lehnen, erinnern daran, daß hier eine Kirche ist.

Orgel ist besonders stark betroffen

Der Grund für diesen Aufwand im Hörnerkirchener Gotteshaus: In dem achteckigen Bau neben dem Marktplatz hat sich der Holzwurm eingenistet. Besonders betroffen ist die Orgel. Dort hat der Schädling so große Schäden angerichtet, daß unbedingt etwas getan werden muß. „Sonst hätten wir die Orgel rausreißen und die Windkanäle erneuern müssen", sagte Hans-Hermann Schnoor. Die nur wenige Millimeter großen Tierchen haben auch schon die Bänke angegriffen. Der Dachstuhl ist aber nicht gefährdet.
Diesem Übel rückt ab Montag die Firma Innovative Restaurierungs-Technik GmbH (IRT) zu Leibe - mit Kohlendioxid. Im Gegensatz zu vielen älteren Verfahren verzichtet die IRT vollkommen auf Giftstoffe. „Die Besucher können sofort wieder reinkommen, wenn das Kohlendioxid wieder raus ist", so Hans-Georg Schülke. Er ist als technischer Leiter für die Arbeiten in Hörnerkirchen zuständig.

Das geruchlose Gas verdrängt den Sauerstoff

Das Prinzip der Schädlingsbekämpfung ist denkbar einfach: Das geruchlose Gas verdrängt den Sauerstoff aus der Luft. Dadurch wird dem Holzwurm die Lebensgrundlage genommen; er stirbt, egal ob als ausgewachsenes Insekt, als Larve oder als Ei.
Um die notwendige Kohlen-stoffdioxid-Konzentration vor. 50 bis 60 Prozent zu schaffen ist der große Aufwand nötig - Über 150 Meter Rohrleitungen wird das Gas in alle Ecken der Kirche gedrückt. Die Rohre mußten auf kleine Stelzen gebaut werden. „Wir konnten die Bänke nicht wie sonst ausbauen", so Schülke. Die Türen der Bankreihen sorgten für zusätzliche, aber lösbare Schwierigkeiten.
Weil Kohlendioxid schwerer als Sauerstoff ist, verdrängt es diesen. Der Sauerstoff entweicht über eine Dachluke und einen Absaugschlauch, der seine Öffnung direkt unter der Kuppel hat. In der Tür steht der orangene Steuerungsschrank, die die Temperatur bei konstant 30 Grad Celsius hält. Die computergesteuerte Anlage hält auch die Kohlendioxidkonzentration und bläst, wenn nötig, Gas nach.
Die Kirche darf nicht betreten werden
Dies wird in jedem Fall nötig sein, obwohl alle Fenster und Türen mit einer Spezialfolie abgeklebt sind und auch der Fußboden mit Plastik ausgelegt ist. „Wir rechnen mit einem Verlust von 30 Prozent", sagt Hans-Georg Schülke. Insgesamt werden rund 50 Tonnen Kohlendioxid nötig sein, um alle Holzwürmer abzutöten. Allein zum Spülen werden zwölf Tonnen verbraucht, etwa das Vierfache des Raumvolumens in der Kirche von 2800 Kubikmeter.
Das Dioxid wurde unter Druck als Flüssiggas bei -80 Grad Celsius in einem mobilen Tank angeliefert. Vom Marktplatz aus fließt es über mehrere Erwärmer in einem Hochdruckschlauch zur Kirche.
Die Kirche darf während der Begasung nicht betreten werden. „Die Konzentratin-ist tödlich", verdeutlicht Schülke. In der normalen Atemluft sind 0,03 Prozent Kohlendioxid vorhanden. Es gibt allerdings einen Noteinstieg, der aber nur unter Atemschutz benutzt werden darf.

Gottesdienst findet in Friedhofskapelle statt

Die Kirche bleibt voraussichtlich bis Ende Juli geschlossen. „Das geht nur, weil jetzt die Ferienzeit kommt", sagt Pastorin Renate Juhl. Der Gottesdienst findet bis dahin in der Kapelle des Friedhofs statt. Die genauen Termine werden am Pastorat ausgehängt. Die gesamte Maßnahme kostet rund 98 000 Mark. Die Kirchengemeinde Hörnerkirchen hat dafür Zuschüsse des Landes, aus dem Baufonds der Nordelbischen Kirche und vom Kirchenkreis Rantzau bekommen. Außerdem gab es einige großzügige Spenden. Die stammen teilweise von Einwohnern, die einige alte Möbelstücke mit in die Kirche stellen können.