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SAUNA-TEMPERATUR GEGEN HOLZWÜRMER IN DER BURG

Schutzaktion in Prunn / In historische Anlage wird zur Schädlingsbekämpfung 70 Grad Celsius warme Luft geblasen

RIEDENBURG-SCHLOSSPRUNN (eb). Im Burghof stehen zwei Anhänger mit Mehrstufenbrennertechnik-Anlagen. Heizöl wird geliefert. Vorsorge für die kühle Jahreszeit? Nein: Es läuft eine Schutzaktion. Aus der historischen Anlage der Bayerischen Schlösserverwaltung sollen Schädlinge, speziell Holzwürmer, verschwinden. Zu diesem Zweck setzt das Unternehmen IRT aus Lippstadt ihre ökologische Verfahrenstechnik gegen Schadinsekten vor Ort ein. Alles sei „völlig frei von Chemie", so Kastellan Franz Wollschläger.

Die Schädlingsbekämpfung bei Burg Prunn ist seil Mitte des Monats in Gang. „Zum Glück ist noch nicht alles befallen, sonst wäre es eine Katastrophe", sagt Kastellan Franz Wollschläger. Er sagt aber auch, dass in bestimmten Bereichen Spuren von Holzwürmern sichtbar seien: Holzmehl und kleine Löcher. Neben einem Vertreter des Staatlichen Hochbauamts und einem Kollegen ist auch der Kastellan in die Schutzaktion 

eingebunden. Der fünfstöckige Turm und dessen Dachstuhl „sind schon behandelt", so Wollschläger vergangene Woche. Insgesamt acht Bereiche sind in die Schutzaktion einbezogen. Damit weder Möbel noch Bilder beschädigt werden, ist zuvor alles ausgeräumt worden. In die einzelnen Räume wird von den Anlagen im Burghof über dicke Schläuche Tag und Nacht Warmluft geblasen. Die Türen sind mit einer Wärmeisolierfolie abgedichtet. In den Räumen herrscht „Sauna-Temperatur", so der Kastellan. In den stärksten Balken seien Temperaturfühler angebracht, die 55 Grad Celsius anzeigen müssten, „dann funktioniert das Ganze". Innerhalb von drei Tagen werde diese Wärme erreicht, so der Kastellan.

Eiweiß wird verändert

Laut Unternehmer Christoph Diers von IRT findet ab 52 Grad Celsius eine Eiweiß-Denaturierung statt: Krabbelt irgendwo ein Schädling, werde dessen körpereigenes Eiweiß so verändert, „dass er nicht mehr lebensfähig ist". Es handle sich um ein Verfahren mit externer Rauchgasführung. Die Temperatur könne „langsam und schonend" auf 80 Grad Celsius gebracht werden. In den Räumen seien es in der letzten Behandlungsphase etwa 70 Grad Celsius. „Es kann nichts brennen", versichert er. Die restauratorischc Beratung für die Maßnahme bei der Burg haben laut Diers die leitenden Restauratoren der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung. Voraussichtlich bis nächsten Freitag dauerten die Behandlungsmaßnahmen auf Burg Prunn. Die Gesamtkosten belaufen sich laut Andreas Muschialik, Leiter des Staatlichen Hochbauamtes Landshut, auf zirka 31 000 Euro.

Ein Nebeneffekt

Der Kastellan hofft, dass die Aktion auch noch einen Nebeneffekt hat: dass es nämlich auch nach Abschluss der Maßnahme noch einige Wochen in dem historischen Objekt warm bleibt. Denn: „Der Winter steht vor der Tür" - und eine Heizung gibt es für die Burg im Riedenburger Ortsteil Schlossprunn nicht.