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SCHÄDLINGE SCHONEND SCHACHMATT GESETZT

SCHÄDLINGE SCHONEND SCHACHMATT GESETZTSanierung Spezialfirma macht dem Nagekäfer in der Wassermühle mit 70 Grad heißer Luft den Garaus

Sensoren messen die Temperaturen im Holzkern. Sonntag ist die Schädlingsbekämpfung abgeschlossen.


VON STEPHAN ONNEN
HUDE - Draußen vor der Wassermühle im Huder Klosterbezirk zeigt das Thermometer minus fünf Grad an, drinnen herrschen jedoch Temperaturen wie in der Sauna: Mit einem HeU^uftverfahren macht die Firma IRT Innovative Restaurierungstechnik aus Lippstadt (Westfalen) dem Nagekäfer, der sich im etwa 165 Jahre alten Eichenholz des Baudenkmals eingenistet hat, den Garaus.

Langsame Erwärmung

Der Name der Firma ist Programm. „Wir sind keine Kammerjäger", betont Geschäftsführer Christoph Diers, „wir betreiben moderne Mess- und Regeltechnik." Und, ganz wichtig: Gift wird bei der Beseitigung der tierischen Schädlinge nicht verwendet. Stattdessen kommt heiße Luft zum Einsatz. Heißluftmaschinen, die über eine Luftleistung von 18 000 Kubikmetern pro Stunde verfügen, führen über Schläuche Wärme ins hermetisch abgeriegelte Gebäude. Um möglichst schonend vorzugehen, produziert die Anlage in Hude indes nur 4000 bis 5000 Kubikmeter an heißer Luft. „Die Erwärmung erfolgt ganz langsam und vorsichtig", erklärt Diers.
Seit Mittwoch ist die Anlage aufgebaut. Sensoren messen während der Behandlung die Temperaturen im Kern der Balken, um zu gewährleisten, dass überall im Holzinneren 55 Grad erreicht werden. „Diese Gradzahl ist ausreichend, um die Schädlinge in jedem Entwicklungsstadium abzutöten, also als Ei, Larve und Käfer", weiß Diers, der diese Technik seit 20 Jahren in der Denkmalpflege erfolgreich einsetzt und weiterentwickelt hat.
Während sich der Holzkern auf 55 Grad erwärmt, steigt die Lufttemperatur in der Wassermühle auf 70 Grad. „Die Elektroleitungen können das vertragen", versichert der IRT-Chef.

Keine Brandgefahr

Ein Mitarbeiter ist ständig vor Ort, um die Abläufe zu überwachen. Die Anlage verfüge über eine getrennte Rauchgasführung, wodurch Brandgefahr ausgeschlossen sei, betont Diers. Schon an diesem Sonntag sollen die Arbeiten beendet sein. „Wir betrachten die Wassermühle in dieser Region als Referenzobjekt für umweltschonende Verfahrenstechnik", so der Lippstädter, „daher haben wir unsere Leistungen hier für relativ kleines Geld angeboten."

Zimmererarbeiten folgen

Die Sanierungsarbeiten werden vom Bookholzberger Architekten Manfred Beier (Büro Angelis & Partner) koordiniert. Im Laufe der nächsten Woche sollen die Zimmererarbeiten fortgesetzt werden. Marode Stützen müssen ergänzt, morsche Balken am Fachwerk ausgetauscht werden. Auch Maurerarbeiten und eine Modernisierung der Heizungsanlage sind vorgesehen. Insgesamt stehen 50 000 Euro zur Verfügung, die Eigentümerin Margaretha von Witzleben (15 000 Euro), der Landkreis Oldenburg (10 000 Euro), die Gemeinde Hude und die Denkmalpflege des Landes Niedersachsen (jeweils 5000 Euro) gemeinsam aufbringen. 15 000 Euro fließen aus dem EU-Programm „Leader". Spielt das Wetter mit, soll die Sanierung in vier Wochen abgeschlossen sein.
Margaretha von Witzleben ist weiter auf der Suche nach einem neuen Pächter - Interessierte können sich bei ihr unter 04408/1804 melden.