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FAST WIE BEI CHRISTO

Kunsttempel aufwendig restauriert

Da, wo es keiner vermutet, mitten im Wald zwischen Jesteburg und Lüllau, liegt auf über 30 000 qm die Kunststätte Bossard. Das Künstlerehepaar Johann und Jutta Bossard vereinigte in jahrzehntelanger kontinuierlicher Arbeit Malerei, Bildhauerei, Architektur, Kunstgewerbe und Gartenkunst und schuf damit ein in Deutschland einmaliges Gesamtkunstwerk.FAST WIE BEI CHRISTO
Im November 1995 wurde die Stiftung Kunst­stätte Johann und Jutta Bossard gegründet, die den künstlerischen Nachlaß der Bossards als einheitliches Ganzes schützen, pflegen und der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. Gleich nach Gründung der Stiftung begannen die Arbeiten an einem Großobjekt, die bis Ende 1996 dauerten. Das mit Pappschindeln gedeckte Dach des Kunsttempels war an mehreren Stellen undicht und nicht mehr zu reparieren. Es sollte in Kupfer neu eingedeckt werden. Allerdings mußten dazu die abstrakt-lineare Malerei an der Innenseite der Dachschalung befestigt und die Holzwürmer bekämpft werden.
Die Schädlingsbekämpfer und Restauratoren hatten ein riesiges Problem: Alle Hölzer am Kunsttempel waren farblich gefaßt. Wäre Gift aufgetragen worden, hätten die Farben Schaden genommen. Nach Abwägung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Methoden und mit fachlicher Beratung durch den leitenden Restaurator der staatlichen Schlösser und Gärten in München, Heinrich Piening, wurde die geregelte CO -Methode der Firma IRT aus Lippstadt ausgewählt. Diese kombi­nierte, aus Kohlendioxid-Behandlung und Klimatisierung bestehende Methode ist ein für diese Objektgröße neues, zuverlässiges Verfahren.
Es ist für die verschiedenen Ma­terialien und Farben der Kunst­werke völlig ungefährlich. Um alle Schädlinge im Gebäude zu erreichen, mußte - in einer spektakulären Aktion, fast wie bei Christos Verpackungsaktion am Reichstag in Berlin - der ganze Kunst­tempel in Folie verpackt werden.
Dafür wurde das Gebäude zunächst komplett eingerüstet, die schwere Folie sollte nicht auf dem Dach aufliegen und beschädigt werden. Durch ein im Gebäude installiertes ausgeklügeltes Rohrsystem wurde thermisch geregeltes Kohlendioxid in den Innenraum geleitet. Das Gas verdrängt den lebensnot­wendigen Sauerstoff und tötet sämtliche Schad­insekten in allen Entwicklungsstufen ab.
Die konstante Temperatur, die mit computergesteuerter Meß- und Regeltechnik gehalten wurde, war dabei beson­ders wichtig. Kühlt das Gas zu stark ab, wird aus C02 in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit Kohlensäure, die die Farben schädigen kann.
ÜNH unterstützte die vielfältigen und notwendigen restauratorischen Arbeiten an der Kunststätte Bossard mit einer großzügigen Spende, für die sich die Stiftung herzlich bedankt.

Oliver Fok, Kunststätte Bossard